Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

10.12.2002

Freiwillige Strafen?!

In Dresden gibt es ein Pilotprojekt für jugendliche Straftäter, das sogar ausgezeichnet wurde. Nach Ertappen des (vermeintlichen) Delinquenten erhält dieser die Möglichkeit, Hilfsangebote wahrzunehmen und "freiwillig" sich mit den Folgen seines Tuns auseinanderzusetzen (Arbeitsstunden, Wiedergutmachung etc.). Der Staatsanwalt kann einstellen oder anrechnen, muss aber nicht. Ein weiterer Schritt zur Auflösung der Justizförmigkeit des Strafverfahrens oder ein richtiger Weg, schnell und angemessen auf Jugendkriminalität zu reagieren? Eine wissenschaftliche Untersuchung gibt es leider dazu noch nicht. Leipzig will trotzdem schon das Projekt übernehmen. Und wir können darüber diskutieren.


Kommentare

12.12.2002, 13:27 Uhr

Re: Freiwillige Strafen?!

Ne eben nicht. Es gibt keinen Beweis dafür, dass höhere Strafen abschrecken. Im Gegenteil, je härter die Sanktion, desto höher die Rückfallquote. Was sich verstärken würde, wäre die Stigmatisierungswirkung aufgrund des Einknastens. Bei kurzen Freiheitsstrafen würde sich auch nur diese Wirkung manifestieren, nicht aber die angestrebte Resozialisierung. Zur Jugendkriminalität allgemein: Sie hört mit den Zwanzigern auf, egal ob man reagiert oder nicht. Nur ein kleiner Teil setzt seine "kriminelle Karriere" fort.

12.12.2002, 12:58 Uhr von Justus

Re: Freiwillige Strafen?!

Gehen wir doch mal von einem Jugendlichen aus, der ein Auto klaut. Der bekommt nach diesem Projekt vielleicht 20 Arbeitsstunden. Beim zweiten mal vielleicht 30 oder 40 Stunden. Wäre es nicht besser, diesen Wiederholungstäter mal , so böse wie es klingt, einen Monat in den Knast zu stecken? Dann überlegt sich doch jeder Mensch mit klarem Verstand bei der nächsten Gelegenheit viel gründlicher, ob er nochmal ein Auto klaut, oder nicht. Bei 40 Arbeitsstunden ist die Abschreckung doch viel geringer, oder nicht. Oder seh ich das falsch?

12.12.2002, 12:47 Uhr von Peer

Zu Justus

Bisher konnte nicht bestätigt werden, dass die Art oder Höhe der Sanktion eine wie auch immer geartete Abschreckungswirkung entfaltet. Auch die Sanktionswahrscheinlichkeit, also wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich für die Straftat eine Sanktion erfahre, hat nur geringe Auswirkungen. Wesentlicher sind dagegen eigene Moralvorstellungen - was finde ich richtig, was nicht. Insofern ist es relativ egal, wie reagiert wird. Deswegen wird auch von der "Austauschbarkeit der Sanktionen" gesprochen.

12.12.2002, 11:46 Uhr von Justus

Re: Freiwillige Strafen?!

Das halte ich für eine gute Sache, wenn das Projekt ordentlich betreut wird und Reglementierungen dafür geschaffen werden. Was ist bei Wiederholungstätern? Fraglich bleibt meiner Ansicht nach, ob durch solch ein Projekt, hier die Warnwirkung der strafrechtlichen Sanktionen vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden untergraben wird. Wenn es den Anschein für den Täter erweckt, " Es war ja gar nicht so schlimm und eine Strafe im eigentlichen Sinne ist wohl auch nicht zu erwarten, wenn ich ein paar Arbeitsstunden mache.." ist dieses Projekt doch verfehlt, oder? Wo wird also eine Grenze gezogen zwischen Sinn und Unsinn eines solchen Projekts? Verschwimmen dann nicht die Grenzen zwischen Recht und Unrecht? Justus