Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

09.07.2003

Polizisten schlagen zu - mit tödlicher Wirkung

In Köln stehen derzeit sechs Polizisten vor Gericht. Sie sind angeklagt wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Zumindest zwei von ihnen haben auf der Polizeiwache den an Händen und Füssen Gefesselten, der zuvor - höchstwahrscheinlich auch noch rechtswidrig – in Gewahrsam genommenen worden ist, auf den Kopf und in die Seite getreten und geschlagen. Das Opfer kollabierte, wurde im Krankenhaus zwar erfolgreich reanimiert, erlangte aber das Bewusstsein nicht wieder.

Fatal erscheint bereits das Vorgehen der Polizei, das zu der Ingewahrsamnahme des Opfers geführt hat. Lest euch den angehängten Artikel durch und versucht das Handeln der Polizei mit dem Polizeirecht in Einklang zu bringen. Es ist schon abenteuerlich den Grund der Ingewahrsamnahme faktisch darin zu sehen, dass sich das Opfer gegen die Ingewahrsamnahme gewehrt hat. Dass der „Störer“ deswegen zur Abrundung noch Pfefferspray und gezielte Faustschläge ins Gesicht - wie es heißt, um ihn ruhig zu stellen - "kassiert" hat, macht das Geschehen noch abstoßender. Die Grenze des Vorstellbaren ist schließlich erreicht, wenn der so "Verschleppte" auf der Polizeiwache verprügelt wird.

Gut zu wissen, dass dies auch andere Polizisten so sehen und so überhaupt den Fall zur Anzeige gebracht haben. Das nenne ich Courage.

Nachtrag: Alle sechs Polizisten sind vom Kölner Landgericht zu Bewährungsstrafen zwischen 12 udn 16 Monaten wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Und würden damit ihren Beamtenstatus verlieren. Die Verteidiger kündigten jedoch Rechtsmittel an.


Kommentare

14.07.2003, 18:39 Uhr von tobsn

http://www.stephan-n.info

mehr informationen...

14.07.2003, 11:07 Uhr von Karsten

Weitere "effizient" arbeitende Polizisten

Da wäre noch auf den in Stralsund verhandelten Fall hinzuweisen. Zwei Polizisten haben einen Betrunkenen im Dezember 2002 an der Stadtgrenze ausgesetzt. Dieser ist dann an Unterkühlung gestorben. Die Aussetzung von Betrunkenen ist dabei laut den beiden angeklagten Polizisten eine übliche Praxis. Schon mal was von Menschenrechten gehört? Weiterführend der Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,256482,00.html

11.07.2003, 15:12 Uhr von Jasmin

Erschreckend

Was sonst nur aus Filmen über rauhe Gegenden bekannt, ist hier unter völlig absurden Umständen geschehen. Ob es weitere Fälle gibt, die nicht Tod zur Folge hatten, und deswegen nie an die Öffentlichkeit drangen? was haben sich diese Polizei-Rambos dabei gedacht?

09.07.2003, 14:48 Uhr

Re: Polizist schlägt zur Beruhigung erst mal mit der Faust ins Gesicht

na geht doch