Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

27.10.2003

Größtes juristisches Ungleichgewicht in der Geschichte

So lautet die etwas reißerische Überschrift von Hans Leyendecker in der Süddeutschen zum Mannesmann-Verfahren (und man erinnert sich dunkel an fürchterliche Verfahren, in denen es mit der Gleichheit der Beteiligten auch nicht so weit her war). Drei in Wirtschaftsstrafsachen unerfahrene Richterinnen und Richter träfen auf die Elite der Anwaltschaft. Was auch unter dem Aspekt des bei derartigen Verfahren stets im Raume stehenden Deal (der sog. Absprache im Strafverfahren) interessant erscheint. Denn ein solcher Deal wird immer nur dann in Betracht kommen, wenn die Machtverhältnisse der Beteiligten vergleichbar sind. Starke oktroyieren, gleich Starke verhandeln. Wenn es nun aber so sein sollte, dass sich die Wirtschaftsstrafkammer schwach fühlen sollte (was prognostiziert wird, sich aber erst noch weisen muss), aber eben doch die formalen Machtinstrumente in der Hand hat, könnte ein Deal auch wieder gefährdet sein und ein langes Verfahren drohen. Wird die Elite der Anwaltschaft diesen psychologischen Aspekt berücksichtigen?


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