Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

06.05.2004

"Krieg verwandelt Menschen in brutale Folterer"

so das Fazit des berühmten us-amerikanischen Psychologen Zimbardo, der zumindest Kriminologie-Interessierten bekannt sein müßte, in Bezug auf die Erkenntnisse über Mißhandlungen und Folter in den irakischen Gefängnissen. Diee Fälle, so Zimbardo, seien aber keine Einzelfälle, wie Bush behauptet, sondern struktureller Ausfluß von Krieg. "Das Fass des Krieges sei mit Essig gefüllt, dass gute Menschen in böse Menschen verwandelt". Diese Analyse ist nicht neu. Verbrechen der Wehrmacht, Holocaust, lateinamerikanische Diktaturen, überall das gleiche Bild: Ganz normale Menschen werden in bestimmten Situationen, die durch Anonymität, Entmenschlichung und Autoritätshörigkeit gekennzeichnet sind, zu Verbrechern und können nach ihren Taten wieder ohne Probleme sich in den Alltag integrieren. Zu diesen Situationen gehört nicht nur Krieg, sondern vor allem auch das Gefängnis. Erinnert sei an dem Film "Das Experiment", der auf eine Untersuchung von Zimbardo aufbaut; hingewiesen sei aber auch auf die neuen/alten Foltervorwürfe gegenüber Wärtern in deutschen Gefängnissen.
Was folgert aber daraus? Kriege ächten, ja sogar die Armeen abschaffen und andere Institutionen, die Machtmißbrauch und Unterdrückung ermöglichen? Oder hat Zimbardo gar nicht so recht? Bedarf es noch eines zusätzlichen Momentes? Wir würden uns über eine Diskussion über dieses alte und immer aktuelle kriminologische Problem freuen!


Kommentare

08.07.2012, 14:50 Uhr von Vishal

LKitGIbXLfl

sagt:Tia, cool! Fehlen nur noch Bilder. Aber nicht schlimm. Geht ja auch ersatml so Ist ja gut, da es jetzt auch ohne Fotos m glich ist, mal eben was zu bloggen hier.Ich find es gut. Besser Info ohne Bild als gar keine Info.Du machst das klasse! *freu*

12.05.2004, 11:02 Uhr von Observer

Zu Anonym

Scheinbar ist er das nicht. Dafür sprechen nicht nur die speziellen Ausbildungsgänge in Foltertechniken, die (nicht nur) an us-amerikanischen Militär- und Geheimdienstschulen gelehrt werden (siehe meinen Link unten). Zwar ist es richtig, dass der Staat an sich den Anspruch stellt, hohe moralische Standards einzuhalten. Aber die Realität ist eine andere, egal welchen Staat man sich anschaut. Insofern kommt es auf die persönliche Ausprägung von humanistischen Werten an.

11.05.2004, 14:00 Uhr

Aber

Aber offensichlich sollte sich keiner von uns sicher sein, dass er nicht in einer extremen Situation mit Anordnungen und der Möglichkeit der Verantwortungsabwälzung zu einem menschlichen Ungeheuer wird. Hilft dagegen echt ein ausgeprägter moralischer Standard, wie ihn Observer verlangt? Ist das nicht der Mindeststandard, den jeder Staat und jede Gesellschaft an sich vermittelt, nicht zu töten, zu foltern, zu vergewaltigen?

11.05.2004, 13:29 Uhr

Eben

Eine totale Determinierung würde ja bedeuten, dass ihm keine Entscheidungsmöglichkeit offen stehen würde: Soldat im Krieg = Sadist und Folterer. Das ist aber nicht der Fall. Es gibt viele, die sich dem auch verweigern.

11.05.2004, 13:18 Uhr

zu zu doch

...eben keine _totale_ Determinierung.

11.05.2004, 12:43 Uhr

zu Doch

Schon vorher angelegte kriminelle Attitüden ... wenn das kein Determinismus ist, was denn dann?

11.05.2004, 10:57 Uhr von Zu Anonym

Doch

Der Einzelne ist in der Lage, sich bestimten Handlungen zu verweigern. Gemeint ist nur, dass Krieg oder Gefängnis eine Umgebung schaffen, die es erschwert, diese Regeln einzuhalten, bzw. andersherum, die es vereinfacht, schon vorher angelegte kriminelle Attitüden auszuleben. Ansonsten glaube ich nicht, dass es eine totale Determinierung des menschlichen Verhaltens gibt.

11.05.2004, 09:48 Uhr von Observer

Genau das ist die Frage

Reicht es aus, Menschen in Situationen zu versetzen, die sie aus Verantwortung entlassen, die durch Gewalt. Autoritätshörigkeit und Entmenschlichung gekennzeichnet sind. Oder bedarf es noch persönlicher Dispositionen, um dann wirklich zum Folterer zu werden? Zumindest einige wussten schon vorher, was sie taten. Das legt ein Bericht des Guardian nahe, der von speziellen Ausbildungen in Folterungstechniken berichtet (http://www.guardian.co.uk/Iraq/Story/0,2763,1212197,00.html). Aber das klärt nmoch nicht die entscheidende Frage. Vielleicht andersherum: in speziellen Extremsituationen wie Krieg bedarf es eines stark ausgeprägten moralischen Standards, um nicht inhuman zu werden.

11.05.2004, 09:03 Uhr

?

Was soll das also heißen? Der Einzelne ist nicht dazu in der Lage, evidentes Unrecht zu verweigern?

09.05.2004, 11:13 Uhr

Milgram-Experiment

Auch dieses Experiment aus den 60er Jahren ist von erschreckender Aktualität, bei dem sich zeigte, zu welchen Grausamkeiten Menschen in der Lage sind, wenn sie glauben, die Verantwortung auf Vorgesetzte abwälzen zu können. 2/3 der Versuchspersonen waren bereit, den "Schülern" Stromstöße zu versetzen, die als lebensgefährlich bezeichnet wurden.