Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

09.12.2004

Auswertung der Abstimmung über die Organisierte Kriminalität

An unserer Abstimmung beteiligten sich 159 Personen. 54 % sehen dabei in der OK eine ernsthafte Gefahr unserer Gesellschaft, 35 % nehmen an, dass der Topos der Organisierten Kriminalität missbraucht wird, um Freiheitsrechte weiter einzuschränken, 11 % schätzen die Organisierte Kriminalität als eine überdramatisierte Gefahr ein. Die Frage, die sich mir stellt: Woher haben gut die Hälfte ihre düsteren Erkenntnisse? Wo steckt sie, die Bedrohung? Sind der Staat und die Wirtschaft bereits von der OK durchsetzt - und wie merkt man dies? Sie werden uns über Ihre Kommentare auf die Sprünge helfen und aus der Lethargie reißen.


Kommentare

15.12.2004, 16:57 Uhr von Karsten

zu Morfeld

Als Neu-Freiburger hoffe ich nur, dass die Erlebnisse nicht aus dieser Stadt stammen.

13.12.2004, 18:23 Uhr von Organizer

Kollektives Begehen trotz Individualisierung?

Gemeinhin werden doch den Mitgliedern heutiger Gesellschaften Individualisierungs-, Autonomisierungs- und Vereinzelungstendenzen unterstellt. Warum, so frage ich, ist dies bei den Gangstern und Ganoven anders? Alle verlieren Mitglieder, die Parteien, die Gewerkschaften, die Vereine und die Häkelclubs, nur die Syndikate des Verbrechens nicht. Liegt darin die große Gefahr? Lauter rechtschaffene Einzelkämpfer gegen eine schwer bewaffnete Armada von Gesetzlosen? Wohl nicht. Vielleicht macht dies aber Angst. Allein gegen die Mafia (so hieß doch mal ein Fernsehtitel) ist die Horrorvorstellung. Aber empirisch wird es wohl nicht zu halten sein. Der Einzeltäter überwiegt immer noch bei weitem, im Gegensatz, so meine These, zu früher.

11.12.2004, 14:08 Uhr von Morfeld

Von Tomaten über Diskotheken zu Drogen und Frauen

Nun ja, m.E. wird man zugeben müssen, dass die Bedrohung durch die Organisierte Kriminalität von Zeit zu Zeit doch auch für die Hälfte der Abstimmenden spürbar wird. Erinnert sei etwa nur an sich wiederholende Gewalttaten im Bereich der Konkurrenz von Vergnügungsstätten, wie etwa Diskotheken, die nicht selten auch Todesopfer fordern. Gleiches gilt für den organisierten Rauschgifthandel. Ein weiteres Feld ist der Menschen-, v.a.Frauenhandel, insbesondere aus osteuropäischen Ländern. Hier sind organisierte Strukturen deutlich erkennbar. Im Übrigen scheint es doch gerade ein Merkmal der organisierten Kriminalität zu sein, möglichst nicht öffentlichkeitswirksam vorzugehen. Eine Verharmlosung, die durchaus auch in einer Übertreibung (Staat und Wirtschaft sind freilich nicht gänzlich von der OK durchsetzt) liegen kann, scheint mir deshalb nicht geboten.

10.12.2004, 16:48 Uhr von Ursula Mittag

Verbrechersyndikate haben umgeschwenkt!

Nach neuerer Erkenntnis hat sich das organisierte Verbrechen um den Tomatenanbau nach Europa - insbesondere Holland - verlagert. Das bedeutet nun aber nicht, dass Australien aufatmen konnte. Die dortigen Verbrechersyndikate haben sich jetzt auf den Kiwi Vertrieb spazialisiert. Das zitierte Kapitel von Schneider hat also nichts an Aktualität verloren, findet sich dort doch niedergeschrieben: "Das organisierte Verbrechen paßt sich insoweit örtlich und zeitlich flexibel den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen an."

10.12.2004, 13:50 Uhr

Erkenntnisse aus Australien

"In Australien hat das organisierte Verbrechen Eingang in den Tomatenanbau gefunden (Schneider, Kriminologie, 1974, S. 119)."