Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

25.01.2005

Entscheidung über die Studiengebühren steht vor der Tür

Morgen wird das BVerfG über die Zulässigkeit von Studiengebühren entscheiden. Baden-Württemberg und Bayern sind schon ganz begierig darauf, ihre Pläne zu derartigen Studiengebühren aus der Schublade zu holen. Geht es darum, ob sich in einer Übergangsphase bei unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Ländern "chaotische Verhältnisse" einstellen werden? Geht es um die Details von Studienkrediten? Oder geht es um eine grundsätzliche Frage, nämlich diejenige, ob wir uns die Errungenschaft eines kostenlosen Studiums wieder nehmen lassen wollen, die es meinetwegen nur noch in wenigen Staaten gibt. Grundsätzliche Fragen haben in Zeiten der Finanzknappheit oder vermeintlicher Bedrohungen keine Konjunktur, sie im Hinterkopf zu behalten ist aber mehr als ein symbolischer Akt. Peter-Alexis Albrecht schreibt: "Eine Universität kann der Gesellschaft nur dienen, wenn sie neues Wissen schafft, dieses Wissen systematisiert und interpretiert, es kritisiert und auf seine Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung prüft. Die Erfüllung dieser innovativen Funktion setzt einen kreativen Dialog zwischen den Beteiligten voraus." Ein solch kreativer Dialog impliziert Freiräume und Freiheiten, er gedeiht nur in einer Atmosphäre wechseitigen Vertrauens. Werden diese Vorbedingungen durch die Integrierung des ökonomischen Gedankens befördert, sich nur dann oder zumindest besser einzubringen, wenn man von den Dialagpartnern finanzielle Zuwendungen erhält?


Kommentare

30.01.2005, 13:52 Uhr von RH

Auswertung der Abstimmung

In diesem Kontext bedanken wir uns bei den denjenigen, die sich an der Abstimmung zu den Studiengebühren auf unserer Homepage beteiligt haben: 52 % (88 Stimmen) votierten dafür, dass Studiengebühren den für einen gewinnbringenden Unterricht notwendigen Freiraum schaffen würden und ein Anreiz für verstärkte Bemühungen um die Lehre seien, während 48 % (81 Stimmen) die Studiengebühren selbst bei Abfederungen über Stipendien u.ä. als unsozial und der Idee einer Universität widerstreitend ansahen. Die Mehrheit der Abstimmenden ist goldrichtig im Süden der Republik bzw. sollte hierin ziehen. Denn hier soll es ja baldmöglichst mit der Lehre voran gehen.

27.01.2005, 22:34 Uhr von skell

Was Geld kostet, ist automatisch gut? - Zweifel!

...zumindest in der "Anfangsphase" werden Gebühren meines erachtens nicht unbedingt auch zu einer Entwicklung führen, in der teure Unis auch gut sind. (weil sie ja sonst keine Studenten finden würden, die sie bezahlen) definieren sich nicht gute Unis dann durch den Namen, der dann automatisch signalisiert teuer = gut? Ähnlich dem "Markenimage" einiger Produkte, die aber letztendlich nicht viel mit der realen Substanz, die dahinter steckt, zu tun haben? Weiterhin frage ich mich ein wenig, woher der vielgenannte hohe deutsche Bildungsstandart kommt? Aus der langen Tradition privat finanzierter Hochschulen!? Ich denke, es ist vollkommen falsch, sich NUR an wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu orientieren wenn man an Forschungen denkt! Viele Projekte sind vor allem am Anfang wenig sinnvoll und Millionengräber, wer will aber sagen, dass nicht nach jahrelangerm "sinnlosen Geldverschwenden" ein Ergebnis komt, welches nicht nur wirtschaftlich sondern auch gesellschaftlich Meilensteine setzt?! Wo ich bei gesellschaftlich bin: Ich persönlich halte die Freiheit von Wissenschaft und Lehre ohne Gebühren für eine grosse gesellschaftliche Errungenschaft, die jetzt nach und nach verloren geht. Wirtschaftlich ist dies sicher ein zu begrüssender Schritt, was die (auch wirtschaftlichen) Folgen angeht zweifle ich erheblich!

27.01.2005, 13:53 Uhr von mascha

... warum nicht :-)

Die Sinnhaftigkeitkeit von Forschungsvorhaben endet m.E. dort, wo jene ihren originären Zweck nicht mehr im Forschungsziel selbst finden, sondern aus vielerlei anderen Motiven realisiert werden und jene anderweitigen Motive letztendlich eine dominierende Stellung einnehmen. Dies fängt an bei "... Wer am lautesten von der *richtigen* Bildungseinrichung *hier* ruft, muss einfach qualifiziert für dieses Forschungsprojekt sein..." über "... der hat schon vor 20 Jahren dort herausragende Wissschenschaftsergebnisse abgeliefert ..." bis hin zu "... irgendwie muss ich auf diese Weise meine Lehrmittelausstattung querfinanzieren" oder "... da eröffnet sich noch ein guter Freiraum zur Profilierung ..." . Konkrete Beispiele hier aufzuzählen, ist sicher müßig (in meinem Interessenbereich würde ich bspw. einen schelmischen Blick ins Saarland oder auch in Richtung MPI werfen) - ich glaube wohl, dass wir zumindest dahingehend konsensual zusammentreffen, als dass nicht gerade wenig Forschungsgelder ihrem eigentlichen Zweck nicht oder nur unzureichend zugeführt werden. Die Spannbreite der Fehlverwendung jener verhält sich dabei zumindest linearäquivalent zum Kontrolleinfluss Dritter. Alleine jene Gelder aufzufangen würde i.E. sicher schon ausreichen, um andere größere Löcher zu stopfen, ohne dass wir dann noch darüber grübeln müßten, ob tatsächlich durchgeführte Forschungsvorhaben im Rahmen der Geisteswissenschaften (oder eben Grundlagenforschung bei den Naturwissenschaftlern) "sinnvoll" sind. Eine solche Beurteilung ist zugegebenermaßen nicht durchführbar.

Ja - und die Evaluierung ... als Student in den ersten Semstern (an denjenigen Universitäten, an denen tatsächlich auch Evaluierungen durchgeführt werden) bekommt man da noch glänzende Augen: Mitbestimmung, Einfluss, etwas verändern können, selbst verantwortlich sein. Alles Schmarrn! Spätestens zwei Semester später kommt dann die Desillusionierung - diejenigen Lehrenden, die im Schnitt das graunvollste Ergebnis in den Evaluierungen erzielt haben, sitzen immer noch mit der gleichen gelangweilten Mine vor dem Auditorium. Hmmm ... Student kratzt sich, mault ein wenig rum und ... - nichts. Wie könnten sich im übrigen auch Studenten anmaßen, über die Qualität eines Lehrenden zu urteilen? Da gibt es einerseits die Freiheit der Wissenschaft und Lehre und andererseits die Arroganz, die sich in der Frage manifestiert. "Warum muss ich mich eigentlich (von Studenten) evaluieren lassen?" Diese Meinung herrscht doch - so wie mir gesagt wurde - auch an der Dresdener Juristischen Fakultät vor - oder wurde hier jemals eine Evaluierung in den letzten Jahren durchgeführt? Um es kurz zu machen - die Evaluierung ist eine Saga aus dem Reich der Mythen für diejenigen, die sich tatsächlich doch erdreisten, lauthals nach Mitbestimmung zu schreien. Denen stopft man dann diese Evaluierung in den Hals und gibt ihnen so das Gefühl, basisdemokratisch beteiligt zu werden.

Bei Einführung von Studiengebühren erübrigt sich diese Evaluierung dann tatsächlich ... - braucht man nicht mehr - die Evaluierungsergebnisse spiegeln sich dann vielmehr (mit etwas Nachlauf) in Abschlussnoten, Studienzeiten, realisierbaren Einstellungschancen, hilfsbereiten Alumninetzwerken etc. nieder. Das Beste dabei - nicht mehr der Student wird der maßgebliche "Unbequemlichkeitsfaktor", sondern vielmehr der Kollege, der durch seien schlechte Arbeit das Fortkommen - oder besser: das wirtschaftliche Überleben - der gesamten Einrichtung maßgeblich beeinflußt. Die somit quasi auf die finanziellen Ebene erhobene Einflussnahme ist somit wohl der wahre Garant für eine maßgebliche Mitbestimmung der Studierenden - denn mit dem Bewußtsein, tagtäglich einige Euros in der Bildungsanstalt zu lassen, wächst auch der Anreiz, die "Werthaltigkeit" der Gegenleistung genauer unter die Lupe zu nehmen und ggf. auch in Frage zu stellen. Solange der Kram kostenlos ist, wird halt nur konsumiert ... - tatsächlich vebleibende kritische Idealisten scheitern eben etwas später (s.o.).

Alles in allem bin ich immer noch von der Sinnhaftigkeit einer Studiengebühr überzeugt. Die vermeintlich "Belasteten" sind bei genauerer Betrachtung nur die die "Alibihanseln", die von von ganz anderen Interessengruppen vor die Hütte geschoben werden. Ich würde mich nicht wundern, wenn sich die Lobbyarbeit des Hochschullehrerverbandes bald dahingehend einpegelt, dass man sich doch vorstellen könnte, dass nicht alle Einnahmen durch Studiengebühren bei den jeweiligen Hochschulen verbleiben müßten. Auf diese Weise hätte man das Schiff, mit dem man zu kollidieren drohte, dann doch noch erfolgreich zum Sinken gebracht :-)) M.

26.01.2005, 14:03 Uhr von RH

Tatsächlich eine Chance?

Wie beurteilt man die Sinnhaftigkeit von Forschungsprojekten? Volkswirtschaftlich? Ganz sicher, dass es um ein Verhältnis von Dienstleister und Konsumenten gehen soll, oder nicht vielleicht um einen Raum der Kommunikation, in dem wechselseitige Anregungen bei wechselseitigem Respekt gegeben werden? Ferner ganz sicher, dass plötzlich über Gebühren der "Wert" einer Ausbildung bemessbar werden soll? Das ist ja toll, dass plötzlich die Probleme der Evaluierung beseitigt sind. Nicht ein bisschen eindimensional, dass plötzlich über Gebühren die Studierenden motiviert werden sollen nach dem platten Motto: Was Geld kostet, ist gut und daher bin ich intensiver dabei? Schafft nicht gerade eine solche Sichtweise ein lehrfeindliches Klima? Wer lehrt schon gerne Menschen, die er nicht schätzt? Ist der Gedanke nicht eigenartig, dass plötzlich die Lehre über den Kommerzialisierungsgedanken gedeihen soll? Langzeitstudenten verhielten sich volkswirtschaftlich asozial. Schön, dass die Volkswirtschaft aber nicht alles definiert, denn dann wäre die Liste der Asozialen lang und fürchterlich. Die Freiheit der Lehre als Millionengrab. Moment mal, ist die jetzt über Studiengebühren auch plötzlich abgeschafft? Kann ja sein, ich sehe die Langzeitfolgen auch mit großer Skepsis. So - und dann wieder der Blick ins Ausland und der Verweis darauf, sich gefälligst im Konkurrenzkampf die Mittel von Dritten zu besorgen. Vielleicht sogar ein verräterischer Gedanke: Denn die Studierenden scheinen mir nach dem Modell der Studiengebühren auch Dritte zu werden. Und dass Drittmittel nun plötzlich die Qualität der Lehre verbessern sollen, scheint mir bereichsweise eine an strafrechtlichen Lehrstühlen gut aufgehobene Materie zu sein.

26.01.2005, 13:38 Uhr von mascha

Warum nicht als Chance begreifen?

In gewisser Weise kann ich das "Jammern" um Studiengebühren nicht so recht verstehen - wobei ich nicht auf den Umstand der finanziellen Belastung der unmittelbar betroffenen Interessengruppe referenziere.

Das o.g. Zitat von P.-A. Albrecht drückt m.E. genau das aus, was man üblicherweise immer nur aus einer Richtung hört - und die Antwort auf diese Frage kann nur lauten: Ja!

Ja, weil es dazu beträgt, Kostentransparenz innerhalb der Gesamtstruktur "Hochausschulausbildung" zu schaffen. Warum versinken Millionen in mehr oder weniger sinnlosen Forschungsprojekten? Weil die bisherige Struktur darauf ausgelegt ist und weil es den Beteiligten unbestritten Vorteile jeglicher Art bringt, sich an dieser Geldvernichtung zu beteiligen.

Ja, weil sich Lehrende als Dienstleister und Studenten als Konsumenten verstehen (müssen).

Ja, weil es zu einer Polarisierung zugunsten der "Qualität der Lehre" beiträgt.

Ja, weil der "Wert" einer Ausbildung als solcher messbar und vorallem für den Erwerber "spürbar" wird und damit unbestritten Motivationsanreize geschaffen werden.

Bei Licht betrachtet "schadet" eine derartige Regelung der Finanzierung letztlich nur zwei Personengruppen: Zum einen unmittelbar natürlich der immer wieder gern bemühten Gruppe der "Ewigstudierenden". Warum muss man für einen (ersten) juristischen Abschluss 12, 13, 14 ... Semester studieren? Es gibt kaum eine sinnhafte Begründung dafür. Volkswirtschaftlich betrachtet ist derartiges Studienverhalten asozial (wobei die staatliche Kostenbelastung bei einem juristischen Studium ja noch marginal ist) - was liegt also näher, als (finanziellen) Druck auf die Beteiligten auszuüben.

Zum anderen die Gruppe der Lehrenden: Erst jene "Freiheit der Lehre" hat das Hochschulsystem zu einem derartigen Millionengrab werden lassen. Dass die Verknüpfung von Forschung und Lehre auch anders funktioniert, zeigen viele Hochschulen und Universitäten in Europa und Amerika. Keine staatliche Alimentierung - vielmehr Leistungsdruck, Konkurrenzgerangel, aktives Werben um Finanzierungsquellen. Wo fühlt sich der Lehrende eher bemüßigt, "seinen" Studierenden Wissen in ansprechender Form zu vermitteln?

... und dass die Qualität der Forschung und Lehre unter einer wirtschaftlich ausgerichteten Finanzierung der Ausbildung leidet, halte ich erhrlich gesagt für einen Treppenwitz ... wir brauchen gar nicht auf solche Wissenschaftseinrichtungen wie Stanford, Berkley oder das MIT zu schauen - bleiben wir doch mal ein Europa: Die Grandes Ecoles in Frankreich bilden - vorallem in der Naturwissenschaften - hochbegabten wissenschaftlichen Nachwuchs aus - für bis zu 7.000,00 € pro Studienjahr. Weitere Beispiele finden sich in Englang, Spanien, Holland, Schweiz und Belgien.

Unbestritten: Das Grundproblem stellt die Refinanzierung der Studiengebühren durch die Studierenden dar. Jenes mit einer sinnhaften (auch staatlichen) Förderung über Darlehen, Stipendien und Zuschüsse abgefedert, sollte in der Mehrzahl der Fälle zu einer verträglichen Lösung führen. Warum setzen die Vertreter der Studentenschaft nicht mehr Energie in den (Mit-)Entwurf solcher Modelle und in das Bemühren, an deren Einführung und Umsetzung aktiv beteiligt zu werden? Vielleicht weil es einfacher ist, "dagegen" zu sein? Vielleicht aber auch, weil man sich gern von anderen Interessengruppen instrumentalisieren läßt?

26.01.2005, 10:43 Uhr von Yes

Die Sektkorken in Stuttgart, München und Hamburg knallen

Das BVerfG hat nicht über die Zulässigkeit von Studiengebühren entschieden. Es hat keine politische Entscheidung getroffen. Nein, nein, das BVerfG hat nur seinen Job gemacht, und jetzt werden die Länder eben die Studiengebühren im hehren Kampf um eine bessere Lehre einführen.

26.01.2005, 10:21 Uhr von Observer

Schon passiert

Das Verbot der Studiengebühren ist gekippt.