Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

14.02.2005

Finanzsenator Sarrazin ist hungrig ...

Für einen glühenden Befürworter einer Studiengebührenregelung ist nachfolgende Nachricht von Spiegel Online tatsächlich "doppelt tragisch":

"... Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat der Forderung widersprochen, dass Gebühreneinnahmen vollständig den Universitäten zufließen müssten. Es sei ein "vernünftiger Kompromiss", wenn das Geld je zur Hälfte den Hochschulen und dem Land zukämen, sagte der Finanzpolitiker der "Berliner Zeitung". Dabei bezog er sich allerdings auf das "Berliner Modell für Studienkonten", also auf mögliche Gebühren für Langzeitstudenten.

"Universitäten sind ohnehin landesfinanziert", gab Sarrazin zu bedenken. Mit bundesweiten allgemeinen Studiengebühren rechnet der Berliner Finanzsenator schon in wenigen Jahren. Bei den momentan diskutierten 500 Euro pro Semester werde es dann nicht bleiben. "Das wird sich ausdifferenzieren, etwa nach dem Renommee einer Universität", sagte Sarrazin. ..."


Kommentare

14.06.2011, 14:22 Uhr von Bubi

tByFZJJcMvnRvjnBxz

Wow, your post makes mine look fbelee. More power to you!

18.02.2005, 19:37 Uhr von mascha

Nachtrag

Da wir im übrigen alle mit Behauptung argumentieren, die nicht mal im Grunde ihres Wesens fundiert sind ... hier noch ein passender Link zum Thema: http://www.zeit.de/2005/07/C-Geb_9fhrenmythen

18.02.2005, 19:31 Uhr von mascha

die ideale Welt

... so so - das Ideal. Ich dachte, die Idealiterbetrachtung bleibt uns Naturwissenschaftlern vorbehalten. :-). Natürlich - die Geistes- und Sozialwissenschaftler haben es ja auch schon einmal versucht ... aber dieser Versuch ist bekanntlich schief gegangen. Also kommen wir zurück zur Realität und fragen uns "Was spricht dagegen, den Nutznießer einer **weiterführenden** Ausbildung mitveranwortlich für deren Finanzierung zu machen?" Diese Mär des Ausschlusses von Bildungswilligen aufgrund ihrer finanziellen Situation ist doch wirklich platt! Ein Ausbildungsdarlehen, rückzahlbar einige Zeit nach Berufsbeginn, schließt niemanden aus. Es verhindert höchstens "Parkstudien", "Gammelstudien" und Phasen der Selbstfindung auf Kosten der Gemeinschaft weil eben jene für den Betreffenden finanziell spürbar werden.

Da Du immer gern mit Beispielen arbeitest: Soweit Du Dich zukünftig als Referendar privat versichern solltest und Deine Ärzte ihr Honorar nicht erst nach langer Zeit bei Deinem Krankenversicherungsträger sondern unmittelbar bei Dir liquidieren wollen, dann setzt zumindest bei der Mehrzahl der Referendare ein ganz erstaunlicher Prozess ein - sie hinterfragen die Richtigkeit der Honorarabrechung bis zum letzten Eurocent. Als gesetzlich Versicherte wäre ihnen dagegen die inhaltliche Richtigkeit der Abrechnung vollig gleichgültig gewesen weil es eben unmittelbar zu einer Leistungsübernahme durch die Krankenkasse kommt. Ein schönes Beispiel für die positive Wirkung der Eigenverantwortlichkeit - es betrügen einfach weniger Ärzte bei der Abrechnung :-). (ob der dadurch erzielbare Vorteil dagegen auch wieder bei der Gemeinschaft ankommt, ist eine ganz andere Frage)

18.02.2005, 15:19 Uhr von Observer

Genau darum geht es

Mascha schrieb: "Die Höhe Deiner Studiengebühren bestimmst Du dagegen durch die Wahl der Dir genehmen Ausbildungseinrichtung - und tatsächlich - für einen angemessenen Preis findest Du dann sicher auch eine Ausbildungseinrichtung, wo Dir die das Wissen auf einem goldenen Tablett serviert wird - eben ganz nach Deiner Fasson." Dies bedeutet nichts anderes, als dass sie persönlichen Ressourcen darüber entscheiden, welche Qualität an Bildung ich geniessen kann. Gegen eine derartige Vision setzte ich das Ideal einer Chancengleichheit auf Bildung, die zumindest unabhängig von finanziellen Ressourcen ist.

18.02.2005, 11:55 Uhr von mascha

Äpfel mit Birnen ...

"... dass Studiengebühren nicht notwendigerweise die Lehre und Forschung verbessern, weil sie ja nicht zweckgebunden erhoben werden ..." - aha ... aus Deiner Sichtweise also ein vernünftiger Zug von Herrn Sarrazin, die Haushaltsbeteiligung an den Studiengebühren zu fordern - schliesslich macht er damit deutlich, dass Studiumgebühren nicht zweckgebunden erhoben werden.

Komische Argumentation.

Genau diese Zweckbindung ist ja der Dreh- und Angelpunkt einer vernünftigen Studiengebührenregelung. Jetzt kommen also ein paar gierige Finanzminister daher und machen schon mal rechtzeitig Stimmung und schon fallen alle Gebührengegner in das gemeinsame Klagelied mit ein. Wo bleibt dann da der zu sonstigen Gelegenheiten immer wieder gern zur Schau getragene politische Aktionismus/Sportsgeist? Oder konzentriert der sich vielmehr auf solche Fragen, wo die Grenzlinien deutlich sichtbar zwischen schwarz und weiß verlaufen und so die Bildung eines opportunen Standpunkts leicht fällt?

Fakt ist, dass das Ausbildungssystem hier bei entsprechender Fortführung über kurz oder lang gegen die Wand fährt. Klar - für diesen Fall scheint es die beste Lösung zu sein, die Augen zu schließen und noch einmal laut "Bildungsfreiheit für alle!" zu schreien, bevor man aufschlägt. Andererseits gibt es noch Generationen nach uns :-).

Na ja - und zur Praxisgebühr brauche ich ja nichts zu sagen. Die zahlst Du als Sonderabgabe :-) - gleich, welchen Arzt Du besuchst. Die Höhe Deiner Studiengebühren bestimmst Du dagegen durch die Wahl der Dir genehmen Ausbildungseinrichtung - und tatsächlich - für einen angemessenen Preis findest Du dann sicher auch eine Ausbildungseinrichtung, wo Dir die das Wissen auf einem goldenen Tablett serviert wird - eben ganz nach Deiner Fasson. Leistung und Gegenleistung stehen >dann< in einem Abhängigkeitsverhältnis und fördern das Bewußtsein der Vertragspartner, dass es sich bei Wissen und Wissenerwerb um eine Ware/Dienstleistung handelt. Und DAS ist gut. Aber DAS wollen wir ja nicht. Schon verstanden! :-)

18.02.2005, 10:51 Uhr von Observer

Was war das Argument?

Wenn ich mich recht erinnere, ist der Standpunkt von Mascha, dass die Erhebung von Studiengebühren der Verbesserung von Forschung und Lehre dient. Wer dagegen ist, lasse sich vor den Karren der Profs spannen, die sich gegen eine nach marktwirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet, sprich leistungorientierte Lehre richten. Wenn jetzt eingewendet wird, dass Studiengebühren nicht notwendigerweise die Lehre und Forschung verbessern, weil sie ja nicht zweckgebunden erhoben werden, dann ist das kein Argument. Komisch. Wie verläuft denn jetzt der Arztbesuch nach Erhebung der Praxisgebühr? Ist er höflicher, kompetenter? Oder drückt man nur seine 10 € ab und alles ist beim alten? Was sind denn dann Argumente gegen Studiengebühren, ja was darf man denn noch vorbringen gegen ein Idee, die Bildung nicht als Gut des Allgemeinwohls ansieht, sondern als Leistung, für die man bezahlen muss? Ist Bildung nicht gerade so wichtig, dass sie jedem offen steht? Sind nicht schon jetzt die Zugänge zur Hochschulausbildung stark schichtabhängig? Müssen nicht jetzt schon die meisten Studenten nebenher arbeiten, um sich ein Studiuem finanzieren zu können? Kann man wirklich diese ganzen Fälle mit Stipendien auffangen? Ich glaube, dass ist blauäugig.

18.02.2005, 10:49 Uhr von mascha

Evaluierung

Ich darf unter Bezugnahme auf die unserer Studiengebührendiskussionen nebenher entsprungenen Diskussion um die Lehrevaluation auf folgenden Artikel in der Zeit hinweisen:

http://www.zeit.de/2005/08/B-Uni-Ranking

17.02.2005, 17:25 Uhr von mascha

:-)

@Observer Es ist schon witzig, dass Du nunmehr mit der Feststellung "Ich habe es ja schon immer gewußt!" an die "Öffentlichkeit" trittst. Bei der Qualität Deiner Glaskugel solltest Du tatsächlich in Betracht ziehen, diese Art von Vorhersagen zu kommerzialisieren :-). Gerade aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in Berlin war es (IMHO) wohl kaum zu erwarten, dass dort jemand ernsthaft mit Gedanken spielt, die Einnahmen aus einer Studiengebühr derart zu verwenden. Im übrigen habe ich Deiner Äußerung auch kein Argument gegen eine Studiengebühr entnehmen können. Da Du - so wie ich annehme - die Verhältnisse in DD kennst, sollte die hiesige Fakultät wohl auch nach Deinem Dafürhalten ein Beispiel per excellence dafür abgeben, was passiert wenn Studierende keinerlei Möglichkeiten (und Interesse) zur Einflussnahme auf die Lehrgestaltung haben. Aus der Äußerung von Herrn Sarrazin (mal unterstellt, er ist nicht Amok gelaufen oder wollte politischen Selbstmord begehen, sondern spricht nur eine konsensuale Meinung der Berliner Regierungskoalition aus) kann ich nur folgenden Umstand(bedauerlicherweise) bestätigt finden: Selbst Links(außen) verliert sehr schnell an Glaubwürdigkeit, wenn es um Realpolitik geht.

15.02.2005, 22:31 Uhr von RH

Sarrazin vs. Mehdorn

Wahrscheinlich leider ein passender Vergleich von Observer. Mehdorn macht das ja so: Als unerbittlicher, aber redlicher Sanierer gerieren, auf Stärken setzen (ICE), die aber noch immer schwächer sind als beispielsweise der TGV und diejenigen ins Abseits stellen, die nicht an den ICE-Trassen liegen. - In Sachsen setzte man das am Beispiel der Juristischen Fakultäten wie folgt um: Eine reicht in dem größten Flächenstadt Ostdeutschlands, mehr ist überflüssig und zu teuer ("der redliche Sanierer"), außerdem sei man ja das deutsche Silicon Valley, auf diese Stärken müsse man sich besinnen. Die eine Juristische Fakultät solle aber sehr schnell in die Top 5 Deutschlands aufsteigen, mehr als die Juristenfakultät Leipzig müsse das aber nicht kosten.

15.02.2005, 09:22 Uhr von Observer

Verwunderlich

Aber ist das verwunderlich? Die Idee, mit einem Gebührenstudium eine qualitativ bessere Lehre und Ausbildung zu bekommen, ist doch reine Ideologie. Oder ist die Bahnpünktlicher und besser seitdem sie teurer ist? Da fragt sich doch, wer sich hier von wem vor den Karren spannen lässt.

14.02.2005, 12:50 Uhr von RH

Tja

Aber der Hinweis ehrt den glühenden Befürworter :-). Las den Beitrag auch - und konnte nur den Kopf schütteln. Nicht mal mit Berliner Schnauze lässt sich das erklären, denn Sarrazin ist ein Zugereister. Aber ehrlich ist er immerhin - und weist die Richtung, wohin die Reise gehen wird. Dass diese Vision von einem SPD-Finanzminister aus einem rot-roten Senat heraus erfolgt, ist mehr als doppelt bitter.