Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

23.08.2005

Videoüberwachung auf Bahnhöfen wird ausgebaut - Ist aber geheim, wo

Schily eröffnet ein neues Sicherheitszentrum von Bahn und Bundespolizei - und gibt Rätsel auf. Die Videoüberwachung habe auch einen vorbeugenden Effekt. 2004 wurden laut Schily dank der Videoüberwachung 703 Straftaten festgestellt, 546 Tatverdächtige ermittelt und 411 Straftaten aufgeklärt. Bei 772 Einsätzen seien Gefahren abgewehrt worden. Auf welchen Bahnhöfen inzwischen Videokameras eingesetzt sind, wollte Schily aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Es sei aber eine beträchtliche Zahl. Wir fragen uns: Was für Gefahren sind denn abgewehrt worden? Geht es ein bisschen genauer? Ursprünglich waren die Kameras auf Bahnhöfen ja angetreten, um den drei s, Service, Sauberkeit und Sicherheit, zu dienen. Ferner: Wenn die Videoüberwachung überhaupt einen vorbeugenden Effekt haben soll, dann sollte doch kommuniziert werden, wo sie installiert wird. Es passt alles überhaupt nicht. Und der Berliner Datenschutzbeauftragte zeigte sich leicht irritiert/überrascht: Ihn interessiere, auf welcher Grundlage Bundespolizei und Bahn zusammenarbeiten wollten, ferner warte er auf einen diesbezüglichen Datenschutzvertrag. Das hat Zeit, erst einmal muss die Sicherheit gesichert werden.


Kommentare

24.08.2005, 18:28 Uhr

Die Fahrscheine, bitte!

Passend zur neuen High-Tech-Aufrüstung erhöht die Bahn mal ihre Preise: http://www.sueddeutsche.de/,wirl1/wirtschaft/artikel/260/59201/ ServiceSicherheitSauberkeit fallen eben nicht vom Himmel. Und die Staatskassen... naja, dier alte Leier. Wer da nicht mit ryanair für 1 Euro durch Europa jettet macht sich schon verdächtig. Und sollte überwacht werden. Und wenn die Bahn sich jetzt als privater Präventivschläger des Innenministers geriert, hat sie sich auch die Kohle verdient. Der Krieg gegen den Terror führt sich nicht von allein. Bei 1,7 Milliarden Bahnfahrern jährlich lassen 700 aufgeklärte Straftaten wirklich auf ein beachtliches kriminelles Potential schliessen. Einschlägige Kriminalität an Bahnhöfen: Drogengeschäfte, Schwarzfahren und subversives Herumlungern. Dabei könnte es so einfach sein. Der Hamburger Senat hat das alles längst hanseatisch elegant geregelt. Denn was fürchtet das lichtscheue Gesindel wie der Teufel das Weihwasser? Richtig: Klassische Musik. Und siehe: Seither sind sie gereinigt, die ehrwürdigen Hallen, vom deutsch-deutschen Walkürenritt. Die Penner und Junkies haben sich verkrümelt. Bei dem Krach könnte ich auch nicht schlafen.