Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

28.11.2005

Private vs. staatliche Ausbildung in Jura

Die bayerische Justizministerin und der Präsident der Bucerius Law School diskutieren unter der Moderation von Heribert Prantl, warum denn nun letztere so viel besser sei: Sie habe mehr Geld und biete daher bessere Bedingungen, wähle ihre Studierenden sorgfältig aus, sie sei verschulter, nehme also die Studierenden bereits zu Beginn mehr an die Hand, das Betreuungsverhältnis sei besser und sie müsse sich nicht mit denen rumschlagen, die ohnehin nicht für das Jurastudium geboren seien. Unsere derzeitige Abstimmung auf der Website kommt zu dem Ergebnis, dass die Ausbildung hier einfach mieser sei (45 %), 30 % sind der Auffassung, dass halt die Elite in HH sitze. Wir haben in unserem Newsletter die Frage diskutiert, ansonsten bin ich derzeit etwas ratlos, aber bereit, mit Ihnen weiter zu diskutieren.


Kommentare

22.12.2005, 09:07 Uhr von rh

zum BLS-Absolventen

Vielen Dank für Ihre Einschätzung von innen heraus. Sie hilft zu verstehen, gibt Anregungen und relativiert. Mit Sicherheit werden individuelle Eignungstests sowie ein überschaubarer Kreis von Studierenden eine nicht zu unterschätzende positive Wirkung auf das Ergebnis haben. Wir am LSH kämpfen nach wie vor darum, die ca. vier Jahre des Studiums in einem so wichtigen Lebensabschnitt für die Studierenden so zu gestalten, dass sie später nicht als "Da mussten wir durch" beschrieben werden. Wir haben Ideen, aber müssen eruieren, ob wir damit überhaupt den Nerv der Studierenden treffen. Und daher unsere beständigen Bemühungen, mit den Studierenden in Kontakt zu treten und mit ihnen zu diskutieren.

16.12.2005, 18:53 Uhr von Johannes Schmidt

Faktenlage

Wenn es richtig ist, dass 75% des ersten Jahrgangseinen Durchschnitt von 11,2 erreicht haben, dann müssten die restlichen 25% (wenn ich mich nicht verrechnet habe) einen Durchschnitt von 6,4 aufweisen, damit insgesamt 10 Punkte rauskommen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass innerhalb der BLS eine derartige Diskrepanz herrscht.

16.12.2005, 17:26 Uhr von BLS-Absolvent

Notwendige Relativierung

Sehr geehrter Herr Hefendehl, ihre Ratlosigkeit beruht auf falschen Fakten. Es zunächst so, dass sich der Schnitt von über 11 Punkten des Jahrgangs 2000 auf die Art der Informationsgewinnung zurück führen läßt. So finden sich in diesem Schnitt nicht alle Noten wieder, sondern nur solche, die von den Studenten freiwillig an die Hochschule weitergeleitet wurden. Auch ist ein Notendurchschnitt bereits veröffentlicht worden, obwohl erst 2/3 aller Studenten das Staatsexamen durchlaufen haben. Der Durchschnitt wurde also von solchen Studenten ermittelt, die a) die Ausbildung schnell durchlaufen und b) ihre Note auch der Hochschule gemeldet haben. Man muss kein Prophet sein, um sich auszumalen, dass es sich dabei durchweg um die besseren Studenten an der Law-School handelte. Ich würde die Prognose aus eigener Anschauung wagen, dass der wirkliche Durchschnitt bei ca. 9,5-10,0 liegt. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, dass ist immer noch ein hervorragender Schnitt. Eine solche Leistung ist allerdings auch damit erklärbar, dass eine Vorauswahl mittels Eignungstest getroffen wurde und ein sehr hoher Konkurrenzdruck zwischen den Studenten herrscht. Man sollte sich aber nicht darüber täuschen, dass die Studenten extrem leistungsbereit sind und sich deshalb diese Noten auch verdient haben. Mit anderen Worten: Ob das Konzept der Law-School einer öffentlichen Uni überlegen ist, weiß ich nicht. Der Schnitt läßt sich jedenfalls zum Teil mit einer Vorauswahl und übersteigertem Konkurrenzdruck erklären. Der veröffentlichte Schnitt ist nicht so überirdisch gut, wie er in den Medien dargestellt ist. Es gibt jedenfalls keinen Grund für die öffentlichen Universitäten, den Kopf in den Sand zu stecken. Ratlosigkeit ist nicht angebracht.

09.12.2005, 15:52 Uhr von T.G.

sie müsse sich nicht mit denen rumschlagen...

... die für das Jurastudium nicht geboren sind. Eine äußerst interessante Äußerung, bei der man nicht so recht weiß ob Sie nun wohl vom dem Präsidenten der BLS oder der bay. JM kam ?!...?! Fragen über Fragen... Ich nehme an das diejenigen, die eine Ausbildung in der BlS für signifikant besser halten umfangreiche Probestudien an diversen Universitäten absolviert haben.... Aber ja... natürlich hat "die Elite dort" bessere Ergebnisse... Sie haben ja auch mehr Zeit... für Jura. Ich spreche hier nicht für mich, aber sicher für einige.. und später auch gute Juristen, die ohne das bisherige System niemals diesen Beruf hätten ergreifen können... Obwohl Sie dafür geboren wurden... bevor über Studiengebühren, Elite_Unis und andere interessante Änderungen an der Hochschullandschaft in D geschraubt wird, so sollten doch manches mal - so hat man teils den Eindruck - Konzept zuende- oder aber auch erst einmal wirklich angedacht werden... Naja...

01.12.2005, 11:04 Uhr von RH

45 %

Vielleicht können sich einmal einige der 45 % äußern, was denn ihrer Vermutung nach an der Ausbildung in Freiburg signifikant schlechter als in HH sein soll.