Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

02.05.2006

Auswertung unserer Befragung zur Bedeutung der Hausarbeiten

Wir hatten die User nach der Bedeutung der Hausarbeiten in der juristischen Ausarbeitung auch vor dem Hintergrund befragt, dass eine Hausarbeit ja in den meisten Bundesländern nicht oder nicht mehr im Examen gefordert ist (so auch in BW). Das Gesamtbild ist nahezu unentschieden: 178 oder 51 % plädierten dafür, dass die HA überflüssig ist, 169 oder 49 % vermuten erhebliche Lerneffekte in einer HA. Wenn denn das Studium für potenzielle künftige Berufsfelder schulen soll, scheint es mir unabdingbar zu sein, die bei einer HA geforderte Arbeitsweise zu trainieren: das geduldige, konzentrierte, bisweilen investigative Ringen um das angemessene Ergebnis in redlicher Auseinandersetzung mit Rechtsprechung und Literatur, das auch und gerade in Diskussionen mit anderen befördert wird. Im Jurastudium scheint es mir bereichsweise so zu sein, dass die "berühmte" Privat-AG das einzige Medium für eine derartige Kommunikation ist, die auch häufig zu einem vorgeübten Ablassen von Wissen degeneriert.


Kommentare

23.05.2006, 13:32 Uhr

Bei Hausarbeiten fehlt mir

der Anspruch! Als ich meine erste Hausarbeit im Strafrecht geschrieben habe, war ich guter Dinge. Man hatte uns gesagt, wir sollten uns Schwerpunkte setzen, uns mit der Literatur und Rechtsprechung auseinandersetzen und das war zwar nicht einfach aber spannend. Den Schwerpunkt setzte ich bei der Fahrlässigen Mittäterschaft, da der Sachverhalt meiner Ansicht nach geradezu musterhaft dieses Problem aufwarf, welches in den letzten Jahren zu immer mehr Diskussionen geführt hat und zu dem ganze Dissertationen geschrieben worden sind. Ich fand Hausarbeiten toll weil ich dachte, dass damit das wissenschaftliche Arbeiten und damit die Auseinandersetzung mit schwierigen Problemen gefördert würde. Es war nicht nur den Wessels aufschlagen und die Theorien zur Abgrenzung von dolus eventualis/ bewusster Fahrässigkeit herunterbeten. Nein, neue Sachen. Gremienentscheidungen. Etwas das noch nicht jeder herunterzitieren konnte. Etwas das Arbeit und Recherche erfordert. Die fahrlässige Mittäterschaft tauchte nicht einmal in der Lösungsskizze der Hausarbeit auf. Sei zu unwichtig. Es ging dort lediglich um die Theorien zur Kausalität und objektiven Zurechnung (wie immer). Das ist eine herbe Enttäuschung. Denn es macht die Hausarbeit wirklich nur zu einer bloßen Stoffwiederholung und ließe sich auch mit dem Wessels allein schreiben. Und das nächste mal bin ich schlauer und weiß, dass man keine eigenen Schwerpunkte setzen soll. Sondern sich überlegen, wie wohl die Punkteverteilung auf dem für alle Hausarbeiten geltenden Schema aussieht. Ganz egal wo der einzelne den Schwerpunkt gesetzt hat und ganz egal wie intensiv sich der Student mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich die anderen Bundesländer nur beglückwünschen - denn sie ersparen den Studenten diese Sinnlosigkeit einer Fleißarbeit die einen, was die Erweiterung des Horizonts betrifft, gar nicht weiterbringen soll.