Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

15.06.2006

Vor frischer Tat ertappt? Und sogleich eliminiert?

Der Irrsinn hat Konjunktur: Integrity tests sind in den USA beliebt, und kurze Zeit später natürlich auch hier. Und alle, die solche Tests entwickeln, sind begeistert, die Arbeitgeber natürlich auch. Die Wissenschaftler bemerken selbstgrüblerisch, dass es womöglich "abenteuerlich" klinge, einem Menschen anmerken zu wollen, ob er einmal seinen Arbeitgeber bestehlen wolle. Nein, es klingt nicht abenteuerlich, eine derartige Denkweise ist vielmehr eine Katastrophe. Sie macht sich das dramatische Überangebot auf dem Arbeitsplatz zunutze, um (scheinbare) Risiken zu exkludieren. Egal, wie gut ein solcher Test ist, er achtet die Person der Bewerberin oder des Bewerbers nicht. Das Arbeitsrecht hat in langen Auseinandersetzungen einen Kanon von möglichen Fragen bei Einstellungen entwickelt (der freilich nach wie vor umstritten ist) und dem Bewerber bereichsweise das Recht zur Lüge zuerkannt. Jetzt wird, wie bei all diesen Maßnahmen, wesentlich grobschlächtiger ausgefiltert, es ist ja genügend Masse vorhanden. "Es gebe gute Erfahrungen in den USA". - Man muss nicht so weit gehen, dass man daraus direkt den Schluss ableitet, dann sei die Maßnahme abzulehnen. Aber man sollte zumindest auf der Hut sein. Ach ja, es gibt es auch noch, das Mäntelchen der Integrität des Testes selbst. Schwarze, Frauen und so hätten bessere Chancen, weil diese Merkmale ebenso wenig berücksichtigt würden wie schlampige Kleidung. Ja, wenn diese nicht zu Beginn gleich ausgesondert worden wären, vor der Zulassung zum Test.


Kommentare