Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

10.10.2006

BKA testet biometrische Gesichtserkennung am Hbf. Mainz

Wie das BKA auf seiner Homepage Auskunft gibt, wurde es vom Bundesinnenministerium beauftragt, "die Möglichkeiten biometrischer Verfahren zur Erhöhung der inneren Sicherheit zu untersuchen." Für einen Zeitraum von vier Monaten werden 200 Freiwillige gesucht, die entsprechend biometrisch erfasst werden und dann regelmäßig durch den Hauptbahnhof Mainz laufen sollen. Gleichzeitig sind sie mit einem Transponder ausgerüstet, um die spätere Auswertung zu erleichtern.

Im Rahmen des Tests werden bis Januar die Treppen im Mainzer Hauptbahnhof rund um die Uhr mit speziellen Kameras überwacht. Die Aufnahmen und Daten der Testpersonen werden auf einen Rechner im Kriminalistischen Institut des BKA übertragen.

Laut BKA gilt es zu untersuchen, "ob moderne Gesichtserkennungssysteme die Polizei bei der Suche nach bestimmten Personen unterstützen können."

Da dies eine Teststudie ist, kann nicht vorhergesagt werden, ob auch Unbeteiligte von dem Überwachungssystem erfasst werden. Laut Angaben des BKA hat nur die Forschungsstelle Zugriff auf die Dateien. Die Fahndungsabteilung des BKA soll außen vor bleiben. Erfasste - aber nicht am Test beteiligte Personen - sollen nach 48 Stunden aus der Datei gelöscht sein.

Diese Form der Überwachung hat eine neue Qualität. Sicher muss zunächst auf die Auswertung dieses Projekts gewartet werden. Aber auch wenn eine hundertprozentige Treffsicherheit erzielt werden sollte, muss kritisch auf den potentiell sehr weiten Anwendungsbereich dieses Systems geachtet werden. Gegenwärtig gibt das BKA an: "Künftige Anwendungen dieser Technologie wären beispielsweise das Auffinden hilfloser Personen oder die Erkennung polizeilich gesuchter Personen (z.B. Hooligans auf dem Weg ins Fußballstadion)." Werden dann so auch Schüler (eine biometrische Erfassung sei unterstellt) gesucht, die unentschuldigt der Schule fernbleiben?


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