Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

29.03.2007

Mohnhaupt verwehrt sich gegen die Bezeichnung "Mörderin" - zu recht

Brigitte Mohnhaupt soll sich gegen die Bezeichnung als "Mörderin" in den Medien wehren. Und natürlich echauffiert sich "Bild" hiergegen unter dem Label des Opfer- und Hinterbliebenenschutzes sogleich - und kann auf breite Zustimmung rechnen. Nur, und jetzt müssen wir leider mal schulmeisterlich werden: Sie hat natürlich recht, wie auch jeder andere recht hätte, der wegen eines Mordes verurteilt worden ist. Die Bezeichnung "Mörderin" würde ein Eigenschaft, ein Label, suggerieren, die unserem Tatstrafrecht glücklicherweise fremd ist. Man wird nicht als Mörder geboren,und man ist nicht per se Mörder. Wie steht es aber mit der Gesetzesformulierung des § 211 (Mörder ist, ...)? Ein Produkt des Nationalsozialismus, das schön längst hätte revidiert werden müssen. Es wird so viel Schlimmes in das StGB transferiert, warum kann man nicht mal Schlimmes eliminieren?

Natürlich würde eine solche Gesetzeskorrektur gegen die üblen Machenschaften von "Bild" & Co. nicht helfen. Sie wollen das Label "Mörderin", um Punkte bei den Lesern zu machen. Und unter dem Deckmantel des Opferschutzes gegen dämonisierte Personen agieren.


Kommentare

29.03.2007, 18:57 Uhr von Gnomus

Begriff und Inhalt

Der Begriff "Mörder" ist ja sogar ein Begriff des Gesetzes. Wie oft liest man von "Kinderschändern" und "Vergewaltigern". Diese Begriffe werden in den Medien benutzt, um die Täter begrifflich aus der Gesellschaft auszustoßen. Damit geht natürlich auch ein deutlich zur Schau getragenes Unverständnis über die Frage der Strafrestaussetzung der verurteilten Straftäter, gerade auch jetzt im Falle der RAF-Mitglieder, einher. Wer will schon, dass ein Mörder frei herumläuft.

29.03.2007, 14:31 Uhr von Filtor

Terroristin?

Gegen "Terroristin" wehrt sie sich auch zu Recht, aus den gleichen Gründen. Hinzu kommt: wenn der Begriff "Terrorismus" irgendwie bestimmbar sein soll, fallen gezielte Attentate oder Entführungen nicht darunter. Sondern allein unterschiedsloses Vorgehen gegen Zivilpersonen mit dem Ziel, Schrecken zu verbreiten (und dadurch ein - politisches - Ziel zu erreichen). Andernfalls wird "Terrorismus" zum bloßen Schimpfwort für Gewaltakte von denen, die man zu "den Bösen" erklärt.