Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

13.12.2007

Schülergerichte ein voller (medialer) Erfolg

„Sie tragen Kapuzenpulli und Sneaker, und wenn Angeklagte herumalbern, schauen sie böse.“ So beginnt der Spiegel Online Artikel zu so genannten Schülergerichten. Und auf diesem Niveau spielt sich auch der Rest der Darstellungen ab. Schülergerichte seien gut, da Gleichaltrige viel besser auf die Delinquenten einwirken können als echte Richter. So werde ein belastendes Verfahren umgangen und den bösen Jugendlichen wird auch noch gezeigt wie uncool sie seien. Und wirklich schlimm seien die Sanktionen ja auch nicht zu denen die Schülerrichter die Angeklagten verdonnern können. Eine Entschuldigung, Schreiben eines Aufsatzes und gemeinnützige Arbeit. Und das Beste von allem, die Angeklagten müssen der Strafe auch noch zustimmen. Also alles kein Problem. Oder doch?

Die informelle Klärung jugendtypischer Delikte ist in der Tat eine gute Sache und wird der Erkenntnis, dass Jugenddelinquenz ubiquitär ist, gerecht. Nur betreiben Schülergerichte eben keine informelle Klärung. Vielmehr werden Gleichaltrige zu überlegenen Richtern mit Macht befördert, die den anderen mal zeigen können, wie eine gute Gesellschaft zu funktionieren hat. Nicht die Lösung des Konflikts ohne staatliche Beteiligung ist Ziel, sondern der insbesondere aus Australien hinlänglich bekannte Ansatz des Blaming and Shaming. Verfahrensvorschriften des JGG und der StPO gelten nicht mehr und wenn der böse Schüler nicht hören will, dann wird er eben doch an die Staatsanwaltschaft zurück überstellt und bekommt noch ein schönes staatliches Verfahren an den Hals, dessen Ausgang durch die Weigerung, die Autorität des Schülergerichts anzuerkennen, vorgeprägt sein dürfte. Eine rundum zu beklatschenden Sache, Spiegel Online.


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