Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

07.07.2008

Freiburg gerettet – Alkoholverbot bleibt

Das können wir heute der Pressemitteilung des Bürgermeisteramtes entnehmen. Zwar bedarf es noch der Absegnung durch den Gemeinderat. Aber wer zweifelt bei diesen überzeugenden Erkenntnissen schon daran, dass dies ein Selbstläufer wird?

"Die Gewaltdelikte sind im betroffenen Altstadtbereich der Polizei zufolge um 16 Prozent zurückgegangen." – Aha, die Polizei hat dies festgestellt? Respekt, wie denn?

„Sie konnte zudem keine räumliche Verlagerung von Gewaltdelikten in der Innenstadt beobachten.“ – Das ist normalerweise methodisch etwas verzwickt zu ermitteln, die Freiburger Polizei aber hatte dies souverän vermutlich durch einen Blick auf den Augustinerplatz im Griff. In andere Bereiche oder in Wohnungen und Villen verlagert? Das stört nun wirklich keinen großen Geist.

OB Salomon: „Deshalb halten wir diese Einschränkung der persönlichen Freiheit für absolut zumutbar.“ – Ach ja, echt für absolut? Wir sind tief beeindruckt.

Unser geschätzter OB weiter: „Die Menschen fühlen sich seitdem auch sicherer!“ – Ja klar, mit einem Ausrufezeichen. Und ein weiteres Mal: Chapeau. Auch noch Furchtforschung betrieben. Erfolgte die übrigens geheim? Keinem ist sie aufgefallen. Oder war es so eine Befragung, wie man sie zur Akzeptanz der Videoüberwachung kennt: „Fühlen Sie sich etwa nicht sicherer, wenn diese Punker mit Hunden und Penner aus der Stadt verschwunden sind?“ Übrigens: Die echte Furchtforschung hat ergeben, dass die Furcht durch ganz andere Faktoren wie etwa berufliche Existenzängste befördert wird.

Auch der Erste Bürgermeister Otto Neideck hat Wertvolles beizutragen: Für ihn ist der Wirkungszusammenhang zwischen mitgebrachten Alkoholika in der Altstadt und der Ausübung von Gewalt plausibel. – War das ein Selbstversuch? Reicht subjektive Plausibilität aus, um eine Polizeiverordnung zu erlassen? Ändert sich die Wirkung der Alkoholika, wenn man sie mitbringt? Ach bitte, Herr Neideck, erklären Sie mir dies doch bitte mal bei einem Glas Rotwein. In der Enoteca, da sitzt wenigstens nicht der Plebs rum.

„Die polizeiliche Kriminalstatistik hatte nachgewiesen, dass jede zweite Gewalttat unter Einfluss von Alkohol stattgefunden hat.“ – Ach ja, kann eine solche Statistik das? Ich schreib mal eben meine Kriminologieskripten um.

„Die neue Polizeiverordnung soll zwei Jahre gelten. Danach wird eine erneute Überprüfung auf einer fundierten Datenlage erfolgen.“ – Wie? Die jetzige ist nicht fundiert? Bitte nicht so bescheiden. Das war eine grandiose Arbeit, auch wenn wir nicht wissen, wie sie zustande kam. Wir gratulieren und wundern uns, dass die Verordnung nicht gleich für immer gelten soll. Noch ne Frage: Wollen Sie nicht einfach Kriminologie hier in Freiburg lehren? Ich kann das nicht und es strengt so an. Ich will trinken, und zwar viel.


Kommentare

10.11.2008, 21:53 Uhr von Christian

gell

Das könnte der eigentliche Grund für einen Rückgang der Gewalt sein.

10.11.2008, 21:51 Uhr von Christian

Pol

Vielleicht sollte auch mal zur Sprache kommen, dass seit das Alkoholverbot gilt, abends an Wochenenden die Polizei, meist mit mehreren Fahrzeugen, direkt am Eingang zum Bermudadreieck steht. Selbst wer sich sonst gerne prügelt, wird idR nicht die Dummheit aufbringen, dies vor der Nase der einsatzbereiten Polizei zu tun.

08.11.2008, 05:25 Uhr von ma220zda

t695t

c421t

03.08.2008, 16:54 Uhr von rh

wenig Lust

Verspüre derzeit nur wenig Lust, diese ganzen pseudowitzigen Abwegigkeiten, die es u.a. in der Gemeinderatssitzung gab (Erkenntnisse aus Trinkselbstversuchen der FDP u.s.w.), noch zu kommentieren. - Es geht um Einschränkungen von Freiheiten aufgrund von fehlerhaften Vermutungen. Ich finde das nicht so witzig.

11.07.2008, 14:23 Uhr von filtor

Einen fragwürdigen Beitrag

zur Rechtfertigung der Alkoholverbote leistet diese Pressemitteilung der Uni Freiburg über eine Studie des Arbeitskreises Suchthilfe. Ihr "Fazit: Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gewalt ist eindeutig." kann man wohl nur entweder peinlich oder dreist nennen.

08.07.2008, 11:33 Uhr von rh

auch gut - wieder fudder

"232 Personen haben sich mit dem Alkohol aus dem Verbotsgebiet entfernt. Aber keiner hat andernorts den Alkohol getrunken und ist danach zurückgekehrt“, sagte Amann auf Nachfrage. - Haben diese 232 alle einen persönlichen Betreuer bekommen? Wie bei den Dopingproben während der Toru de France? Krasser Service.

08.07.2008, 09:38 Uhr von rh

wertvolle Zusatzinfos bei fudder

Walter Rubsamen, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung: "Um festzustellen, ob der Erfolg darauf beruht, dass kein Alkohol mitgebracht werden darf, müssten wir die flächendeckende Videoüberwachung einführen, und das ist heute nicht unser Thema“. - Aber hoffentlich morgen, auch in den Wohnungen am besten.