Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

12.03.2009

Winnenden: Von der Frage nach dem „Warum“ zu der nach dem „Was nun?“

Fieberhaft wird nunmehr nach den Motiven für die Tat gefahndet. Waren es die Computerspiele, war es die Möglichkeit, Zugang zu Waffen zu haben, oder war es Mobbing? Jede redliche Antwort wird konstatieren müssen, dass der Täter – wie jeder von uns – eine komplexe Person in einem komplexen Umfeld war. Monokausale Zusammenhänge verbieten sich.

Die andere Frage geht dahin, was man in Zukunft machen sollte, um vergleichbare Taten zu verhindern. Sie ist vielleicht die makrosozial wichtigere, wenngleich für den Verarbeitungsprozess bei den unmittelbar Betroffenen die Suche nach den Gründen einen wichtigen Baustein ausmacht. Und wieder werden die bereits nach Erfurt erhobenen Forderungen aus der Schublade geholt, die Zentralverriegelung, technische Einlasskontrollen, flächendeckende Videoüberwachung oder private Wachschützer umfassen. Und wie bei allen Maßnahmen der situativen und technischen Prävention wird man konstatieren müssen, dass sie eben nur eine bestimmte Situation zu beherrschen vermögen und mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden sind. Maßnahmen wie das Verbot von Killerspielen, die die Sozialisation von jungen Menschen lenken wollen, müssen sich die oben beschriebene komplexe Struktur des Adressaten entgegenhalten lassen.

Alle Forderungen, die in das Leben der zu Schützenden oder diese Beschützenden gravierend eingreifen, werden daher mit Argwohn zu analysieren sein, weil sie das das vereinzelte und unvorhersehbare Böse zu beherrschen vorgaukeln. Die Verbesserung der Angebote auch für junge Menschen, die entweder offenkundig oder vielleicht nur im Verborgenen der Unterstützung und Zuwendung bedürfen, ist hingegen alternativenlos und muss sich – anders als die eingreifenden Maßnahmen – keiner Kosten-Nutzen-Analyse unterziehen. Gerade das macht sie für den Staat unattraktiv, denn es bedürfte dieser Aufwendungen in jedem Falle. Und man könnte keinen unmittelbaren Erfolg vermelden: Es würden keine Anschläge vereitelt, sondern es würden Chancen geschaffen.


Kommentare

22.03.2009, 13:44 Uhr von Rosa

"Nach interner Beratung"?

Das ist wirklich ein überezugendes Argument! Was sagen denn die konspirativen Berater (oder gar Beraterinnen) dazu, dass von den zwölf Toten elf weiblich sind und mit gezielten Kopfschüssen ermordet wurden? Sogar die Polizei sagte auf ihrer ersten Pressekonferenz am 11. März : "Auffällig ist, dass es sich bei den Opfern vor allem um Mädchen handelte."

22.03.2009, 02:24 Uhr

Ihr Kommentar.

Motiv Frauenhass können wir hier, auch nach interner Beratung, ganz und gar nicht erkennen, somit geht Ihr Beitrag ins Leere. Filtorn Sie hier die Tatsachen nach Ihren verqueren Ansichten?

16.03.2009, 16:26 Uhr von filtor

Motivforschung

Dass der Mann in der Schule fast nur Frauen erschossen hat, scheint in der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet zu werden. Motiv Frauenhass?