Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

17.07.2009

Sozialpädagogische Menschenrechtsverletzungen

Gemeinschaftsideologien aus den 1970er Jahren seien für die verheerenden Zustände in den deutschen Gefängnissen mitverantwortlich. So lautet der Tenor des Beitrags, der offensichlich von einem Ghostwriter des sächsischen Justizministers Mackenroth für Telepolis verfasst worden ist. Die Möglichkeiten unmittelbarer sozialer und körperlicher Kontakte in den Gefängnissen führten zu Gewalt, Hierarchien und Unterwerfungen. In den Gefängnissen, in dene sich nicht nur Soziologiestudenten, sondern auch Soziopathen und gerichtlich zertifizierte Gewaltexperten befänden, würde Fachwissen ausgetauscht, die aus Kriminellen erst Schwerkriminelle machten.

Eine grandiose Analyse der gesellschaftlichen Realität, für die wir unheimlich dankbar sind. Die Folgerungen hieraus sind schnell gezogen: Her mit den Einzelzellen und Schluss mit der naiven 70er-Jahre-Idee des Umschlusses. Hierdurch wird mit Sicherheit - so dürfen wir ergänzen - das Strafvollzugsziel der Resozialisierung geradezu perfekt in die Wege geleitet. Dass außerhalb des Strafvollzugs dann doch noch Kontakt mit Menschen (sogar mit solchen, die keine Soziologiestudenten sind) unvermeidlich sein dürfte, halten wir für einen Schönheitsfehler. Könnten die Gefangenen nicht einfach noch ein bisschen länger drinnen bleiben?


Kommentare

20.07.2009, 12:31 Uhr von Daniela

@Tom

Es geht nicht um das Thema, es geht um eine grauenhafte, enge Weltsicht des Autors, der mit diesem Artikel nur das Ziel verfogt, anderen, mit dem Thema weniger vertrauen Personen, seine einfachgestrickte Sichtweise aufzudrängen. Deshalb sollte die Verbreitung solcher Propagandatexte (für mich ist das nichts anderes) mit äußerster Vorsicht betrieben werden. Man kann doch niemanden ernst nehmen, der einen Isolationshaft-Verwahrvollzug befürwortet, weil sich die Gefangenen sonst unterhalten könnten.

18.07.2009, 23:11 Uhr von Tom

@ daniela

@ daniela das verstehe ich nicht: wieso gibt es themen, mit denen man sich von vornherein gar nicht auseinandersetzen darf?

17.07.2009, 16:19 Uhr von Daniela

Unglaublich

In dem Telepolis-Text sind Sätze drin, da kann einem nur die Kinnlade runterfallen. z.B. auch "in Milieus wie Gefängnissen oder dem Militär "(Vergleich von Strafgefangenen mit Soldaten) "wie die extern Studie aus dem Jahr 2006 als eine der ersten empirischen auf einem sonst fast ausschließlich theoretisch beackertem Gebiet" (hat sich der Autor irgendwann schon mal mit dem Gebiet auseinandergesetzt?) Sich mit so etwas auseinanderzusetzen liegt weit unter der Würde jedes klar denkenden Menschen.