Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

28.02.2010

Uli Hoeneß kommt und Freiburg schaltet Hirn aus

Aber ohne Hirn lässt sich eben auch besser jubeln: über einen "vergnüglichen Abend" mit Themen wie den Hund des Präsidenten, seine Affäre mit einer schönen Österreicherin und die Liebe zu Kalbsgeschnetzeltem. Das erfreut die Lokalprominenz gleichermaßen wie die SchülerInnen, insbesondere wenn sich Hoeneß mit ein paar Würstchen für das nächste Schulfest einschleimt.

Und da kriegt Hoeneß auch gleich mal sabbernden Jubel a la Pawlow, wenn er sein Multitalent auch auf dem Gebiet der Kriminologie eindrucksvoll demonstriert. Auf die leider schon völlig daneben liegende Frage des jugendlichen Interviewers, was von der zunehmenden Jugendkriminalität zu halten sei, beklagt er, in Deutschland würde man nicht über die Ursachen der Gewalttaten diskutieren. Er selbst hingegen schon, indem er diese offensichtlich im Wesentlichen darauf zurückführt, dass die Institution der Hausfrau nicht mehr mit Stolz besetzt sei. Es müsse wieder attraktiv gemacht werden, Kinder zu Hause zu erziehen. Es sei geradezu abwegig, dieser Hausfrau die Kinder zu entziehen und sie stattdessen in die Gesamtschule abzuschieben. Warum dürfe die Hausfrau nicht für ihre Kinder kochen?

Die Ursachen der Jugendproblematik seien (allein) im Elternhaus begründet. Hier kümmere man sich viel zu wenig um die Kinder, auch deshalb, um den wirren Worten von Hoeneß ein wenig Struktur zu geben, weil man ja gar nicht auf diese wegen ihrer Abwesenheit einwirken könne.

Diese Aussagen sind ebenso arrogant wie falsch und machen den Abend damit nicht amüsant (BZ), sondern zu einem Skandal. Während das Moderatorenteam ansonsten bewundernd als "rotzfrech" und schlagfertig bezeichnet wurde, bleibt es bei diesen archaischen, frauenfeindlichen Thesen stumm, das Publikum applaudiert, weil man am Ende eines Abschnittes eben applaudiert.

Viel zu wenige Politiker rissen das Maul auf, beklagt Hoeneß. Er macht es ständig und gut ist das nicht.


Kommentare

18.04.2012, 20:52 Uhr von Tulika

FwrrNQILYXYxFPDq

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit ist vollkommen ltgeiim, aber dass muss dann auch ffcr beide Seite gelten die Facebook-Seite Christiane Tauzher eine Schande ffcr den Journalismus wurde von FACEBOOK gelf6scht!!!!Also entweder oder aber den einen das Maul verbieten geht nicht und der andere darf ungeniert le4stern das geht nicht!

03.05.2010, 17:23 Uhr

Die gute, alte DDR - Was fällt Hoeneß ein?

Herzlichen Glückwunsch Herr Hefendehl! Endlich sagt das mal jemand. Wie kommt man nur auf die Idee, dass eine Mutter sich um ihre Kinder kümmern sollte und was mit der Erziehung zu tun hat? Der Staat muss es natürlich wieder richten. Kinder gehören nicht in die Familie sondern in den natürlichen ganztägigen Hort. Die DDR hat es mal wieder richtig gemacht.

25.03.2010, 16:44 Uhr von Grünschnabel

grünlich

Danke für diesen konstruktiven Kommentar, Hannes.

20.03.2010, 18:23 Uhr von Hannes der Bürgermeister

Aus Spaß wurde Ernst er ist heute sechs Jahre alt.

"Glücklicherweise aber nicht die Regel". Mit dieser Aussage bezüglich einer funktionierenden Familie hat Herr Hefendehl sich endgültig von denen distanziert, auf deren Meinung auch nur irgendetwas zu halten ist. Mein Vorschlag: drüber lachen.

20.03.2010, 10:40 Uhr von rh

zu Hoeneß und seinen Fans

Uli Hoeneß ist derjenige, der ein frauenfeindliches Familienbild in der heutigen Zeit lebt und dieses auch noch dreisterweise propagiert. Natürlich nimmt das unmittelbare soziale Umfeld Einfluss auch und insbesondere auf junge Menschen und natürlich gibt es in diesem sozialen Umfeld häufig Probleme. Gerade deshalb aber ist es arrogant, wenn Hoeneß sich darüber mokiert, dass Gesamtschulen befördert werden statt zu Mama nach Hause zu kommen und hier Nürnberger Rostbratwürstchen zu verspeisen. Eine solche Familie ist vielleicht in Bad Wiessee Realität, glücklicherweise aber nicht die Regel. Daher liegt der Schlüssel eben gerade im Gegensatz zur Frauen missachtenden Familienromantik eines Multimillionärs in den Horts und solchen Schulen, die sich gegen ein frühzeitiges soziales Auseinanderdividieren wehren und sich Zeit nehmen.

19.03.2010, 23:23 Uhr von Waldi

Lieber Rostbratwürstchen (+ Weizen) als Spreewaldgurken

"Zuerstmal: Also Roland, ich kann jetz nich verstehen, warum hier diese Schärfe reinkommt..." Naja, eigentlich schon: Immerhin offenbart RH wieder einmal, dass er nur austeilen kann bzw. es auf klägliche Art und Weise versucht - aber wo sind seine Problemlösungen? Wo sind akademisch-juristische Lösungen statt plumper Parolen? Herr Hoeneß, übrigens ein Vorreiter im "Kampf für Zivilcourage", der sich, wenn es um Jugendgewalt geht, nicht im kleinen dunklen Kämmerchen versteckt, sondern selbst für Menschen wie RH einen couragierteren und sichereren öffentlichen Raum fordert, ist nicht der Einzige, der die Ursachen für Jugendgewalt im Elternhaus begründet sieht: Auch Jugendstaatsanwälte und Richter, Kriminologen (m. M. hierzu in Freiburg) und Soziologen sehen das ganz große Problem in zerrütteten Familien ohne feste Strukturen. Mangelnde Regelmäßigkeit, Aufmerksamkeit und fehlende klare Regeln (dazu zählen der Respekt auch vor der Mutter, die sich ausschließlich um ihre Kinder kümmern möchte und daher eine warme Mahlzeit zu regelmäßigen Uhrzeiten serviert), das sind Hauptursachen für Jugendfrust und -gewalt!!! Dies zu sehen fällt manchem schwierig, aber die Welt dreht sich weiter... Und Prof. H.(aha) schwebt wieder im luftleeren Raum - Viel Spass dabei! ;-)

17.03.2010, 14:30 Uhr von Arno Dübel

Skandale und andere Geschichten

Der eine löst Skandale mit seinen Äußerungen, der andere mit seiner Kleidung aus. Gleichwohl haben wir ja noch unsere gute, alte Meinungsfreiheit. Wobei die, wie schon mancher treffend festgestellt hat, nicht immer vorteilhaft ist. Wie auch immer. Würste verschenken darf in diesem Fall jedenfalls sicher nicht als Geschleime, sondern eher als liebevolle Geste im sozialistischen Sinne verstanden werden. Vielleicht erklärt sich Herr Hoeneß ja auch bereit, dem ein oder anderen der sich seinem Job nicht gewachsen fühlt, die Greenkeeperstelle beim FC Bayern zu geben. Es sei denn es handelt sich dabei um Lothar Matthäus oder ähnlich inkompetente Bewerber. Ein wahrer Gutmensch also.