Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

07.10.2010

Gefangenenzeitung JANUS

Zeit ist etwas sehr Relatives. Mal läuft sie viel zu schnell, mal viel zu langsam, je nachdem, was und wie viel man gerade zu tun hat. Auch von Menschen, die sich an ein und demselben Ort befinden, kann der Lauf der Zeit völlig unterschiedlich empfunden werden.

Dies wird derzeit in der Justizvollzugsanstalt Freiburg besonders deutlich. Die einen müssen von einem Moment auf den nächsten ganz schnell ausziehen, ohne ausreichend Zeit gehabt zu haben, sich innerlich darauf vorzubereiten oder wenigstens die allernötigsten Vorbereitungen, z.B. Wohnungssuche, für die Entlassung treffen zu können. Manche von ihnen haben auf diesen Moment endlos langsam verstreichende 20 oder gar 30 Jahre lang gewartet, manche klinkten sich irgendwann völlig aus dem Lauf der Zeit aus. Und jetzt, wo der Moment da ist, geht es viel zu schnell. Auch der Bevölkerung, der Anstaltsleitung, den Politikern und der Polizei geht es viel zu schnell, hatte man sich doch schon sicher gewähnt, der Moment werde niemals kommen.

Alles andere läuft nebenher seinen gewohnten, endlos langsamen Trott. Und manches läuft auch nicht, weil sich gerade wegen der ungewohnten Hektik um die zu entlassenden Sicherungsverwahrten niemand darum kümmern kann.

Lange hat es gedauert und fast war die Hoffnung schon aufgegeben, aber nun ist sie da: die neue Ausgabe der Freiburger Gefangenenzeitung JANUS. Die letzte Ausgabe war im Januar 2009 erschienen. Seitdem gab es einen nahezu vollständigen Wechsel in der JANUS-Redaktion, der ausschließlich Freiburger Strafgefangene angehören. Ihre Recherchemöglichkeiten beschränken sich auf die in die JVA gelieferten Zeitungen. Internetzugang haben sie keinen. Auch ihr PC ist ziemlich vorsintflutlich und kann ausschließlich zum Schreiben und grafischen Aufbereiten von Texten genutzt werden. Alles aus Sicherheitsgründen, natürlich.

In ihrer Arbeit sind die JANUS-Redakteure im Übrigen völlig frei. Zensur findet nur hinsichtlich beleidigender oder sonst strafbarer Äußerungen statt, ist aber unnötig, da die JANUS-Redakteure ihre Redakteursprivilege (z.B. länger geöffnete Zelle) nicht verlieren wollen. Kritischer Journalismus bedarf sicher anderer Gegebenheiten.

Von nun an soll der JANUS wieder zweimal im Jahr erscheinen und die Gefangenen mit Informationen über den Alltag hinter den Mauern versorgen. Zudem enthält er neuere strafvollzugsrechtliche Entscheidungen, die für die JVA-Insassen verständlich aufbereitet werden, und allgemeine rechtliche Hinweise für den Strafvollzugsalltag.

Um auch Menschen jenseits der Mauern einen kleinen Einblick zu gewähren, was hinter den hohen Mauern mitten im Stadtteil Herdern geschieht und was die dort Inhaftierten beschäftigt, soll der JANUS von nun an auch online auf http://www.strafrecht-online.org erscheinen. Dieses Mal wird JANUS noch liebevoll Seite für Seite eingescannt, bis vielleicht doch endlich der alte PC durch einen neuen ersetzt wird. Angedacht bzw. versprochen ist das bereits seit zwei Jahren. Wir melden uns, wenn Sie JANUS online bei uns ansehen können.


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