Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

16.07.2018

Voting zum Standing des Whistleblowers

Von Roland Hefendehl

Unser letztes Voting zum Image des Whistleblowers lief längere Zeit, was aber vielleicht auch der Relevanz und Brisanz dieser Frage angemessen ist. Bis heute beteiligten sich 526 an der Abstimmung, von denen knapp 3/4 (72,4 %) der Ansicht waren, der Wistleblower bringe als Insider Missstände ans Tagesicht und sei daher als „Retter“ zu klassifizieren. 145 (= 27,6 %) gelangten zu dem entgegengesetzten Ergebnis, der Whistleblower sei eher ein „Verräter“, schon im Hort habe man Verpetzen als suspekt empfunden.

Das sind natürlich (in diesem Rahmen notwendigerweise) extreme Verkürzungen. RH plädiert dafür, zwischen systemstabilisierenden und systemdestabilisierenden Whistleblowern zu unterscheiden.

Die ungebrochene Liebe gilt den systemstabilisierenden Whistleblowern, denen die ehrenvolle Aufgabe zukommt, Abweichungen vom vorgegebenen und gelebten System zur Sprache zu bringen. Assoziationen zu Denunzianten und Spitzeln, die in Deutschland über berüchtigte Vorgänger verfügen, sind in unseren Augen keineswegs zufällig. Die Politik hindert dies nicht daran, sie als ehrenwerte Kämpfer gegen Kartelle und Korruption herauszustellen. Und doch stabilisieren sie lediglich die neoliberale Wirtschaftsordnung, wie sozioökonomische Studien zeigen. Objektiv gesehen sind dies keine beeindruckenden Referenzen. Jedes Mittel der Herrschaftssicherung wird aber eben gerne ergriffen und als wertvoller Dienst für die Gesellschaft verbrämt.

Das also sind die Guten, die unsere ganze Zuneigung verdienen. Den Bösen wiederum, den systemdestabilisierenden Whistleblowern, geht es allein um das Aufdecken von Verhaltensweisen, die das System betreibt und die gemeinhin nicht als angemessen angesehen werden.

Chelsea (ehemals Bradley) Manning oder Edward Snowden sind für diese zweite Gruppe als Beispiele zu nennen. Wenn derartige Whistleblower unter Inkaufnahme eigener gravierender Nachteile vom System gedeckte häufig eklatante Menschenrechtsverletzungen offenlegen, haben sie in aller Regel verständlicherweise bei den Herrschenden nicht die besten Karten.

Vor diesem Hintergrund hat RH zwar Sympathie mit der zweiten Gruppe von Whistleblowern, kann den systemstabilisierenden Whistleblowern aber nicht die gleiche Begeisterung entgegenbringen.

Näheres: Roland Hefendehl, Der ungebremste Höhenflug des Whistleblowers, Neue Kriminalpolitik 4/2015, 359 - 374.

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