Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

03.04.2019

Whistleblower & Exzellenzinitiative

Von Roland Hefendehl

Die Exzellenzinitiative ist schon seit vielen Jahren Gegenstand erheblicher Kritik, die auch wir immer wieder zum Ausdruck gebracht haben (etwa im NL vom 19.10.2018 unter IV.): Sie wendet den Blick von einer soliden Grundfinanzierung hin zu einer forcierten Dauerkonkurrenz und einer Orientierung am Mainstream. Über eine Hierarchisierung der Hochschulen werden soziale Ungleichheiten verstärkt und eine weitgehend gleichwertige Ausbildung untergraben. Die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses verschlechtert sich weiter (vgl. zur Zusammenstellung der Argumente etwa die Website Exzellenzkritik).

Das alles wird vielfach geteilt, kann aber der Karawane der Exzellenz natürlich nichts anhaben. Auch ein Freiburger Whistleblower steht da auf verlorenem Posten, der seine Wut weitgehend ungefiltert an die DFG und an mehrere Zeitungen schickte, es auf Facebook postete und an die Tür des Uni-Rektorats heftete. Die badische (Schweige-)Allianz von Exzellenzinteressen und Medien hielt, so dass man eher über Umwege – nämlich den Tagesspiegel und eine interne Distanzierung der Uni-Leitung – von diesem Aufschrei erfuhr: Er handelt von unzumutbaren Arbeitsbedingungen und von Potemkinschen Dörfern vor der Exzellenzbegehung mit glänzend geschrubbten Böden. Er beschreibt den gnadenlosen Versuch, die WissenschaftlerInnen dem Ziel des Exzellenzerfolgs zu verschreiben, und prangert die Entscheidung der Bundesbildungsministerin an, die Anzahl der ausgewählten Cluster erhöht zu haben, was mit einer Kürzung der Zuwendungen pro Cluster einhergegangen sei.

In unserer Kategorisierung der Whistleblower handelt es sich um einen sog. internen Whistleblower. Wichtiger noch erscheint uns die Zuordnung zu den von uns so bezeichneten systemdestabilisierenden Whisteleblowern. Ihnen geht es um das Aufdecken von Verhaltensweisen, die das System betreibt und die von Dritten für nicht angemessen angesehen werden (vgl. hierzu Hefendehl, Der ungebremste Höhenflug des Whistleblowers, Neue Kriminalpolitik 4/2015, 359 – 374).

Während regelmäßig gerade diesen systemdestabilisierenden Whistleblowern auch aufgrund ihrer Bereitschaft, sich im Dienste der Sache selbst zu schaden, in der Öffentlichkeit hohe Achtung entgegengebracht wird, mischt hier der Protagonist selbst leider etwas Wasser in den Wein. Denn mit dem Abheben auf die gestiegene Zahl der geförderten Cluster spielt er doch gerade das Spiel der Kritisierten mit, die Exzellenz namhaft machen zu wollen. Und er wird damit zu einem das System eher stabilisierenden Whistleblower. Ob er der Sache einen Gefallen damit tut, in seiner im Kern verständlichen Verbitterung alles "ohne Punkt und Komma" rauszuhauen, wagen wir zu bezweifeln.

Sich selbst geschadet hat er leider mit ziemlicher Sicherheit, was aber eben in der Natur des systemdestabilisierenden Whistleblower liegt und wir derzeit wieder beispielsweise an Chelsea Manning sehen.


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