Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

27.8.2020

Auswertung: Corona und Strafvollzug

Seit dem 7. Juli lief unsere Befragung zu dem weltweit zu beobachtenden Phänomen, wonach Corona die Gefängnisse auf der ganzen Welt teilweise geleert hat. Wir wollten von Ihnen wissen, ob die besondere Lage ein guter Anlass sein sollte, darüber nachzudenken, ob dies nicht eine Dauerlösung werden könnte. 45 (23 %) waren diese Meinung, während 37 (18 %) die entgegengesetzte Sichtweise vertraten, nach der eine Sonderkonstellation diese Grundsatzfrage nicht beeinflussen solle. Auch die überwiegende Mehrheit dieser Umfrage, nämlich 112 oder 58 %, plädiert gegen eine zu große Macht der gegenwärtigen Notlage in vielen Gefängnissen der Welt. Denn in diesen säßen nun einmal diejenigen, für die es keine Alternative gebe.

Sie ahnen es, dass dieses Umfrageergebnis RH schmerzt. Und dieser wundert sich ein wenig, warum über viele Wochen alle drei Antwortmöglichkeiten sich nahezu die Waage hielten, dann aber „auf einen Schlag“ die letztgenannte Variante davonschoss. Wir wollen nun nicht in die Falle tappen, dieses Voting für manipuliert und damit nichtig zu erklären. Dieses Schreckensszenario wird für ein etwas wichtigeres künftiges Ereignis immer mal wieder an die Wand gemalt. Aber wir würden es schon ganz gerne mal wissen, was die Mehrheit zu dieser Sichtweise bewegt, wonach ein Gefängnis für die Inhaftierten alternativlos sei.

Die Welt ist jedenfalls noch nicht kollabiert, auch nachdem Tausende von ehemals Gefangenen in diesen Monaten auf freien Fuß gesetzt wurden.

RH wird also im WS noch einmal einen Versuch starten, die Institution der Gefängnisse in einem Tacheles-Vortrag zu hinterfragen. Aber er stellt sich auch gerne den Kommentaren zu diesem Voting.

Und die neue Umfrage steht natürlich auch schon für Sie bereit.


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