Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

10.01.2023

Verzerrte Wahrnehmung, verzerrte Darstellung

Ronen Steinke ist – so taz-Autor Christian Rath – „aktuell der wichtigste und produktivste rechtspolitische Journalist in Deutschland.“ Und weil Christian Rath häufig auch für die Badische Zeitung schreibt, hat sein Urteil natürlich noch größere Bedeutung.

Damit dürfte Ronen Steinke als der legitime Nachfolger von Heribert Prantl anzusehen sein, den wir vor einem Jahr wie folgt charakterisierten: Er bringe es in der Newsletter-Historie auf satte 21 Treffer, habe allerdings mit seinem überschaubaren Arsenal an Bausteinen für seine Artikel nicht immer unsere ungeteilte Zustimmung gefunden. Als Rentner blühe er nun aber so richtig auf.

Ronen Steinke, Jahrgang 1983, ist definitiv noch kein Rentner und vielmehr in der produktiven Fließbandphase, in der man tagtäglich so einiges rauszuhauen hat. Und dafür hat er bei seinem Meister kräftig abgeschaut.

https://sz.de/1.5711025 [kostenloses Probeabo]

So ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Ronen Steinke in der Süddeutschen Zeitung zu den mutmaßlichen Taten eines geflüchteten Mannes aus Eritrea an zwei Schülerinnen in Illerkirchberg Stellung bezieht und den Unwissenden auf die Sprünge hilft.

Zum Themenfeld „Zuwanderer & Kriminalität“ finden sich in jedem gut sortierten Textbausteinkasten die Stichwörter „erhöhte Anzeigebereitschaft bei Ausländern“ und „überproportional viele junge Männer bei den Zugewanderten“, bei Delikten gegen das Leben oder die sexuelle Bestimmung kommt das Stichwort „sozialer Nahbereich“ hinzu, in dem derartige gravierende Delikte überdurchschnittlich häufig vertreten sind.

Also raus damit, auch wenn es bei den Taten von Illerkirchberg weder um eine Anzeige noch um den sozialen Nahbereich geht. Der Tatverdächtige ist zwar tatsächlich erst 27 Jahre alt, aber der schlichte Verweis auf die erhöhte Kriminalitätsaktivität junger Männer reicht allein nicht aus, um die überproportionale Häufung in diesem Kriminalitätsfeld zu erklären. Genau hier bricht Ronen Steinke dann aber ab, vermutlich um sich den kriminellen Vereinigungen oder den Whistleblowern zuzuwenden.

Kann man so machen, immerhin handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung. Wir aber setzen unsere Hoffnungen auf Ronen Steinke als Rentner.

Kommentare