Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Vortragsveranstaltung TACHELES

„Dead man edition – Gibt es faire Computer?“

Referent

Sebastian Jekutsch

Veranstaltungsbericht

20. März 2014, 20 Uhr, Kollegiengebäude I – Raum 1098

Die alarmierenden Zustände beim Abbau der Rohstoffe, die in den Bauteilen eines Computers stecken, und der IT-Produktion rufen schon seit längerer Zeit auch die Arbeitsrechtsorganisationen und MenschenrechtlerInnen auf den Plan. Unsere digitale Elektronik wird zum größten Teil in Ländern der Dritten Welt hergestellt, wo gewerkschaftliche Organisation ein Fremdwort ist und die eingesetzten ArbeiterInnen keinen zureichenden Schutz vor den verwandten giftigen Stoffen haben. Und gibt es Widerstände, dann weichen die Hersteller in Nachbarstaaten mit noch geringeren Standards aus.

Sebastian Jekustsch, Sprecher des Arbeitskreises Faire Computer im Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF e.V.) und Betreiber des Blogs blog.faire-computer.de, erläuterte dieses Problem anhand des Erzes Coltan. Er betonte jedoch zugleich, dass dies nur einen sehr kleinen Ausschnitt auf dem Weg zu einem fairen Smartphone darstellt, da bei Elektronikprodukten, anders als bspw. bei fairem Kaffee, sehr viele Einzelkomponenten bedacht werden müssen.

Coltan wird zur Produktion besonders miniaturisierter Elektrolytkondensatoren (Elkos) benötigt, wie sie in Smartphones Verwendung finden. Während Coltan früher hauptsächlich in Australien und Brasilien maschinell abgebaut wurde, verlagerte sich die Produktion in den letzten Jahren in den Kongo, wo der Abbau größtenteils per Hand unter problematischen Arbeitsbedingungen stattfindet.

Doch das Hauptproblem liegt hier nicht in den Arbeitsbedingungen, sondern in der Tatsache, dass die Zugänge zu den Coltan-Minen von Rebellen kontrolliert werden, die durch Erpressung von Wegzoll den im Kongo schwelenden Bürgerkrieg mitfinanzieren. Durch das Enough Project wurde dieses Problem in den USA in die Öffentlichkeit getragen, auch indem es von prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern immer wieder bei Auftritten angesprochen wurde. Der dadurch entstandene öffentliche Druck auf die Politik führte zu einer gesetzlichen Regelung, die börsennotierte amerikanische Unternehmen dazu verpflichtet, in ihren Geschäftsberichten aufzuschlüsseln, wie viele ihrer verwendeten Rohstoffe aus Konfliktminen aus dem Kongo stammen und was sie dagegen unternommen haben.

Diese, Jekutsch zufolge, eigentlich sinnvolle Regelung hatte zwar zur Konsequenz, dass alle IT-Unternehmen (nicht nur die direkten Importeure der Rohstoffe) ihre Einkaufsquellen sehr genau unter die Lupe nehmen und nachverfolgen mussten, weil den Unternehmen in der Regel selbst nicht die Quelle in ihren Produkten verwendeter Rohstoffe bekannt ist. Sie führte jedoch nicht zu einer Besserung der Lage im Kongo, da fast alle Unternehmen Rohstoffe aus dem Kongo einfach durch welche aus den Nachbarstaaten ersetzten. Dies wirkte sich negativ auf die wirtschaftliche Situation des Kongos aus und spielte so wiederum den Rebellen in die Hände, deren Finanzierung durch Minengelder nur einen kleinen Teil ausmacht.

Skeptisch sah Jekutsch deshalb auch die sich in der EU abzeichnenden Regelung, die vorsieht, dass sich Unternehmen freiwillig selbst die Konfliktfreiheit ihrer Rohstoffe zertifizieren können und nach einer behördlichen Überprüfung dieser Zertifizierung in eine öffentliche Positivliste aufgenommen werden sollen. Angesprochen sind hier jedoch nur direkte Importeure und nicht Smartphone-Produzenten oder andere spätere Verwender der Rohstoffe. Unternehmen auf der Positivliste sollen bei öffentlichen Ausschreibungen nach einem unklaren Verfahren bevorzugt werden.

Als erfolgversprechender sah Jekutsch hingegen das Solutions-for-Hope-Projekt einiger IT-Produzenten an. Hier wird der gesamte Weg des im Kongo abgebauten Coltans mittels schon in der Mine angebrachter individueller Etiketten ("bag and tag") verfolgt und dokumentiert.

Abschließend stellte Jekutsch zwei faire IT-Produkte vor: das faire Smartphone "Fairphone" sowie die "Faire Computermaus" von Nager IT. Bei diesen Produkten liegt der Fokus jedoch weniger auf fairen Rohstoffen, sondern auf fairen Arbeitsbedingungen beim Zusammenbau. Während dies beim Fairphone durch eine genaue Auswahl des chinesischen Auftragsfertigers und eines Sozialfonds für die Angestellten erfolgt, erfolgen wesentliche Fertigungsschritte der Maus von Nager IT in Europa, wo gute Arbeitsbedingungen bereits staatlich durchgesetzt werden.

Zusammenfassend zeigte der Vortrag Jekutschs, dass es kein Patentrezept für faire IT-Produkte gibt und auf dem Weg zu einem fairen Computer noch viel getan werden muss. Druck auf die Produzenten kann hierbei nicht nur durch Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern vor allem durch Großabnehmer, bspw. öffentliche Auftraggeber, durch eine gewisse Bevorzugung (teil-)fairer Produkte bei Ausschreibungen ausgeübt werden.