Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Sachverhalt | Lösung

Bierdurst (Niveau: Anfänger)

A hat einen harten Tag hinter sich: er musste leider feststellen, dass sein Bib-Schwarm aus dem zweiten Stockwerk bereits vergeben ist. Aus Frust heraus, beschließt er, das schicke türkisene Bianchi-Rennrad des Konkurrenten F zu beschädigen. Er ist gerade dabei, seinen schweren Habersack aus seiner Tasche zu holen, um auf das Rad einzuschlagen, als ihn ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes durch den Ausruf „Hey! Was machst Du da?“ unterbricht. A lässt von seinem Vorhaben ab, um schnell unerkannt zu verschwinden. Stattdessen begibt er sich umgehend in seine Stammkneipe „die heimliche Kneipe“, um sich dort „so richtig volllaufen“ zu lassen.

A hat in seinem Leben schon mehrmals in betrunkenem Zustand andere Personen tätlich angegriffen. Es ist ihm bewusst, dass dies jederzeit wieder passieren kann, wenn durch die enthemmende Wirkung des Alkohols seine gewalttätigen Neigungen hervorbrechen. Er hält es für möglich, dass er in volltrunkenem Zustand einen der anderen anwesenden Gäste in der Kneipe angreifen und verletzen könnte. Auch ist ihm bewusst, dass eine Heimfahrt mit dem Auto in alkoholisiertem Zustand mit erheblichen Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer verbunden sein wird. Weil er aber seinen Kummer wegspülen möchte, setzt er sich über seine Skrupel hinweg und trinkt zahlreiche Biere und Schnäpse.

Als ihn beim Verlassen der Kneipe der im Eingangsbereich stehende Gast G versehentlich berührt, regt A sich über diese „Unverschämtheit“ so auf, dass er G mehrere Faustschläge ins Gesicht versetzt und dieser ein blaues Auge bekommt. Der völlig verängstigte G bleibt zunächst starr. Nachdem sich A jedoch bereits wieder umgedreht hat und den ersten Schritt aus dem Lokal tut, reagiert G in einer Panikreaktion, greift einen Stuhl und schlägt damit A mit Wucht auf den Rücken. A erleidet Blutergüsse.

Als A nach diesem Vorfall das Lokal schließlich verlässt, setzt er sich in sein Auto, um nach Hause zu fahren. Es ist ihm zwar durchaus noch bewusst, dass dies gefährlich ist, er will jedoch schnell und bequem nach Hause kommen und mögliche Folgen sind ihm egal. Nachbar N sieht, wie A Schlangenlinien-fahrend zu Hause ankommt und ruft die Polizei. Die A abgenommene Blutprobe ergibt eine so hohe Blutalkoholkonzentration (BAK), dass später im Prozess von einem Sachverständigen die Schuldunfähigkeit des A für alle Geschehnisse an diesem Abend festgestellt wird.

Wie haben A und G sich strafbar gemacht?