Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Sachverhalt | Lösung

Paranoide Trinkerin (Niveau: Anfänger)

Die paranoide Trinkerin T hat mal wieder zu tief ins Glas geschaut und ist auf dem Sofa im Wohnzimmer des Hauses, welches sie sich mit ihrem Ehemann O teilt, eingeschlafen. Als sie aufwacht, ist es draußen bereits dunkel. Die einzige Lichtquelle im Raum ist der plärrende Fernseher. Doch auch aus der Küche meint sie Geräusche zu hören.

T erhebt sich schwankend und zieht eine Schrotflinte, die sie als Vorsichtsmaßnahme stets in Griffweite bereithält, unter den abgegriffenen Sofakissen hervor. Unsicheren Schrittes macht sie sich durch den zugigen Flur auf den Weg in die Küche, aus der sie jetzt eindeutig Geräusche vernimmt. Als T vorsichtig in die Küche lugt, sieht sie eine plumpe Gestalt, die sich am Kühlschrank zu schaffen macht: ihren Ehemann.

Wegen der schlechten Sichtverhältnisse erkennt T diesen jedoch nicht und ist sich sicher, einen Einbrecher (E) auf frischer Tat ertappt zu haben. Zudem glaubt T, in dessen Hand eine auf sie gerichtete Pistole zu erkennen. Von Todesangst erfüllt hebt sie die Schrotflinte und schießt dem tatsächlich unbewaffneten O ohne Vorwarnung in den Kopf. Sie ist sicher, dass ihr Verhalten durch Notwehr gerechtfertigt ist.

Als sie ihres Fehlers gewahr wird, gerät T in Panik und beschließt, die Schrotflinte zu entsorgen. Nach kurzer Bedenkzeit wirft sie das Gewehr aus dem Fenster. Es klirrt: sie hat die Frontscheibe des Autos des Nachbarn (N) eingeworfen. Dass der Wurf eine solche Folge haben könnte, war T klar. Sie vertraute jedoch darauf, dass die Schrotflinte in der Gartenhecke landen würde, wo sie auch von der Polizei nicht gefunden werden könnte.

Wie hat sich T nach dem StGB strafbar gemacht? Es ist davon auszugehen, dass ihre Blutalkoholkonzentration (BAK) während des Geschehens 1,8 ‰ betrug.