Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Schwerpunktseminar "Sport und Kriminalität"

Sommersemester 2017

Seminarankündigung

Sport und Kriminalität. Während dieses Begriffspaar über Jahrzehnte wohl irritiert hätte und nicht zusammenzupassen schien – hier der spielerische und von autonomen Verbänden organisierte Sport, dort das strenge staatliche Strafrecht –, hat sich der Wind inzwischen gedreht. Die mittlerweile fast täglich erscheinenden Meldungen über systematisch gedopte Sportler, bestochene Schiedsrichter, manipulierende Betreuer und ein System von im Hintergrund über Sportwetten abkassierenden Drahtziehern lassen den Leistungssport als Hort der Delinquenz erscheinen. Daneben konstatieren wir voller Sorge eine offensichtlich erhebliche Zahl von Sexualdelikten in Sportvereinen. Die Politik ist sich sicher: Diese Zustände verlangen den Einsatz des Strafrechts als dem schärfsten Schwert, das dem Staat zur Verfügung steht. Ein neues Anti-Doping-Gesetz sowie neue Straftatbestände zu Wettbetrug und Manipulationsabsprachen wurden im Eiltempo beschlossen und stießen angesichts der öffentlichen Empörung über Blatter, Hoyzer, Sharapova und Co. auf wenig Widerstand. Selbst die Sportverbände räumten die Überforderung ihrer eigenen Verbandsgerichtsbarkeit ein und unterstützen letztlich kleinlaut die Gesetzesvorhaben.

Doch fußen diese wirklich auf einer legitimen Grundlage? Leisen Zweifeln etwa am Bestehen eines den neuen Tatbeständen zugrunde liegenden schützenswerten Rechtsguts entgegneten die Gesetzesbegründungen zwar selbstsicher: Wenn schon nicht die Gesundheit des Athleten, so schützten die Vorschriften zumindest die sportliche Fairness und Chancengleichheit im Wettbewerb. Doch überzeugen diese Rechtsguts-Neuschöpfungen? Und könnten sich aus dem Nebeneinander von staatlicher Strafverfolgung und sportinternen Disziplinarverfahren nicht schwer auflösbare prozessuale Widersprüche ergeben?

Eine profunde Auseinandersetzung mit der neuen Gesetzgebung erfordert dabei eine erweiterte Perspektive, die auch kriminologische und rechtsvergleichende Erkenntnisse einbezieht. So könnten sich etwa aus den Ursachen abweichenden Verhaltens im Sport Rückschlüsse auf die intendierte Abschreckungswirkung der neuen strafrechtlichen Sanktionierung ergeben. Hierbei sind auch Erfahrungswerte aus anderen Ländern, die schön länger über Straftatbestände zu Doping bzw. Sportbetrug verfügen, von besonderem Interesse.


Informationen

Dozenten

Termin

13.6.2017 ab 18:00 Uhr sowie 20./21.7.2017 (jeweils ganztägig)

Ort

Seminarraum der Erbprinzenstr. 17a sowie Max-Planck-Institut

Leistungsnachweis

Im Rahmen des Seminars besteht die Möglichkeit, eine schriftliche Studienarbeit im Rahmen des Schwerpunktbereichsstudiums (SPB3) anzufertigen. Die Seminarvorträge werden nach gesonderter Ankündigung im Laufe des Sommersemesters stattfin- den. 


Materialien