Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Wintersemester 2020/2021

Diskussionsforum zur Vorlesung Strafrecht AT

Hier können Sie alle Fragen diskutieren, die im Rahmen der Vorlesung aufkommen.

Damit das Forum übersichtlich bleibt, schreiben Sie bitte in die jeweilige Betreffzeile das Thema Ihres Beitrags. Herzlichen Dank!


Kommentare

24.11.2020, 18:10 Uhr

Rechtsgut § 172

Guten Abend, eine kurze Frage zu §172 StGB: Welches individuelle/kollektive Rechtsgut wird durch diese Strafnorm geschützt?

Vielen Dank im Voraus.

RH: Haben wir in der Vorlesung aufgegriffen und besprochen.

23.11.2020, 23:03 Uhr

Kausalität

Liegt der Unterschied zwischen Alternativer Kausalität und Hypothetischen Ersatzursachen darin, dass bei der alt. K. Dritte, also Personen handeln? Oder was ist der springende Punkt, in dem beide sich unterscheiden?

RH: Wird nun bei Instagram in einem Video detailliert erläutert :-).

13.11.2020, 19:51 Uhr von G. S.

Re: Antrainierte Reflexe nicht doch beherrschbar?

Dank eines vom Lerngruppenpartner (danke nochmals an dieser Stelle) gefunden Mitteilung in NJW 1975, 657 zum Fall der Fliege, ließe sich auch einiges zu diesem von mir überlegten Fall sagen:

zu a) Der objkt/sbjkt Tatbestand (Körperverletzung), die Rechtswidrigkt. sind zweifellos erfüllt. Geht es um die Schuld, so ist der in der Vorl. behandelte Fall mit der Mücke "keine Frage der Reflexbewegung mehr, sondern ein Problem sog. „halbautomatischer” Reaktionen
(NJW 1975, 657, beck-online)". Damit käme auch der Fall von F unter diese Kategorie.

Trotz der Mitteilung bleibt noch offen, wie es sich während einer Schulungsfahrt verhalten würde. Da aber strafrechtliche Mitverantwortlichkeit (hoffe ich doch) Gegenstand der Vorlesung sein wird, wäre eine Beantwortung der Fragen an dieser Stelle zu schnell gegriffen.

Sollten Sie sich dennoch der Sache annehmen, wäre ich auf jeden Fall dankbar.

13.11.2020, 18:27 Uhr von G. S.

Antrainierte Reflexe nicht doch beherrschbar?

Guten Abend. Ich habe eine Frage zum Thema Abgrenzung des Begriffes Handlung - Nichthandlung.

I.S.d sozialen Handlungskette wird Handlung als von menschlichem Willen beherrschtes oder beherrschbares Verhalten definiert.

Davon ausgeschlossen scheinen Reflexe zu sein. Doch wie verhält es sich mit antrainierten Reflexen?

Dazu ein Falllbsp.:

F, der sein ganzes Leben lang nur Traktor gefahren ist, hat sich antrainiert, reflexartig die Tür des Traktors immer dann zu öffnet, wenn er den Schlüssel aus der Zündung zieht.

Als er zur Fahrschule ging und das erste Mal im Fahrschulauto saß, hat er, nachdem er geparkt hatte, seine Tür unvorsichtig geöffnet und einem Radfahrer O eine schwere Körperverletzung zugefügt.

a) Wird F strafrechtlich haftbar?

b) Wie sieht es mit der (strafrechtlichen) Haftung des Fahrlehrers L aus?

c) Wie wäre es gewesen, wenn dieser Vorfall nach absolvierter Prüfung (also ohne L) vorgefallen wäre?

Vielen Dank!

RH: Ich glaube nicht, dass hier ein Reflex antrainiert wird, sondern sich eine Routine herausbildet, die nichts am Vorliegen einer Handlung ändert. Sofern ein solches Verhalten für den Fahrlehrer vorhersehbar war (wobei mit Sicherheit das ordnungsgemäße Verhalten davor zur Sprache gekommen ist), erscheint eine Unterlassungsstrafbarkeit denkbar.

12.11.2020, 19:54 Uhr

Fliegenabwehr-Fall // Handlungsbegriff

Wenn man den Fliegenabwehr-Fall bspw. dahingehend abändert, dass der Fahrer an einer waschechten Spinnen-Phobie leidet und während der Fahrt völlig unvermittelt eine solche auf seinem Oberarm begrüßen darf - kann man dann in der Abwehrbewegung, die ja letztlich aus einer Angsterkrankung resultiert, überhaupt noch eine vom Willen beherrschbare Handlung sehen? Oder wäre die Sache mit der Phobie eher auf Schuldebene zu diskutieren? 

Vielen Dank!

RH: Mir scheint hier eine nur durch Sachverständige zu klärende Frage vorzuliegen. Es gibt sicher Phobien, die zu nicht beherrschbaren Reaktionen (Reflexen) führen, und solche, die zu erwartbaren, aber vermeidbaren Reaktionen führen.

10.11.2020, 17:41 Uhr

Unterschied "Vergeltung" und "Schuldausgleich"

Was ist der Unterschied zwischen "Vergeltung" und "Schuldausgleich"?Grundlage für diese Frage: „[Das BVerfG] hat als allgemeine Aufgabe des Strafrechts bezeichnet, die elementaren Werte des Gemeinschaftslebens zu schützen. Schuldausgleich, Prävention, Resozialisierung des Täters, Sühne und Vergeltung für begangenes Unrecht werden als Aspekte eines angemessenen Strafsanktion bezeichnet.“ (BVerfGE 45, 187, 253 f.) - Wobei Schuldausgleich anscheinend nicht als Synonym von Vergeltung gesehen wird. 

Vielen Dank im Voraus!

RH: Auf der KK 44 finden Sie etwas über die unglückliche (fehlerhafte) Verwendung des Begriffs des Schuldausgleichs im Kontext der Straftheorien (Vereinigungstheorien).

09.11.2020, 16:01 Uhr

positive Generalprävention; "grober Unfug"

Ist es möglich "schwammige" Formulierungen wie "grober Unfug" grundsätzlich mit der positiven Generalprävention zu begründen?

Die Rechtstreue der Bevölkerung hängt doch in hohen Maße von der Vorstellung des Einzelnen ab was Gerechtigkeit ist (bzw. wie diese durch "das Recht" verwirklicht wird). "Groben Unfug" unter Strafe zu stellen leuchtet u.U. den meisten ein.

Viele Grüße

RH: Da wären wir wieder bei der Unterscheidung von vielleicht tatsächlichen Vorstellungen in der Bevölkerung und anerkennenswerten Überzeugungen. Wobei ich nicht einmal davon überzeugt bin, dass das Vertrauen in die Geltung einer Rechtsordnung dann gestärkt würde, wenn wir eine beliebig ausfüllbare Leerformel wie den groben Unfug akzeptierten. Vertrauen setzt meiner Überzeugung nach immer einen hinreichend konkreten Vertrauensgegenstand voraus, sonst funktioniert das nicht.

 

05.11.2020, 15:05 Uhr von Oskar Pommerening

§ 224 Gefährliche Körperverletzung, Def. gefährliches Werkzeug

Guten Tag,

bei der Beschäftigung mit § 224 I Nr. 2 StGB habe ich mich gefragt, ob "mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs" ein Auto einschließt, wie in dem in der Vorlesung besprochenen Fall. Mein Verständnis des Wortes "Werkzeug" erstreckt sich nicht auf Autos, andererseits fände ich es durchaus verständlich, wenn auch ein Angriff mit einem Auto unter § 224 I Nr. 2 fällt.

Außerdem stellte sich mir die Frage, wie das Wort "Behandlung" in § 224 I Nr. 5 zu verstehen ist, ob damit eher medizinische Behandlungen gemeint sind oder vielmehr Handlungen, bspw. auch das Hinunterschubsen von einer Klippe.

Über eine Antwort aus der Studierendenschaft oder von Seiten des Lehrstuhls würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank im Voraus

Oskar Pommerening

RH: Nun ja, eine interessante Frage des sog. Besonderen Teils, den wir in der letzten Stunden als Kategorie kennenlernten. Belassen wir sie doch lieber im systematisch richtigen Kontext, nämlich der Vorlesung Strafrecht BT, um uns ganz auf den Allgemeinen Teil zu konzentrieren.

04.11.2020, 21:37 Uhr von Franz Kissel

Online Vorlesung

Wenn du auf ILIAS dir die Vorlesung "Strafrecht Allgemeiner Teil anschaust, dann ist da auch eine Aufzeichnung der Vorlesung.

02.11.2020, 23:53 Uhr von Robert Frank

Online Vorlesung

Ich will keine Diskussion anregen sonder eine Frage stellen. Wo kann ich die Vorlesung vom heutigen Tag (2.11.) nacherleben. Wird diese auf einer Plattform veröffentlicht?