Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Erfolgs- und Tätigkeitsdelikte

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Erfolgsqualifiziertes Delikt; Handlung; Erfolg; Tätigkeit; ursächlicher Zusammenhang

Problemaufriss

Man unterscheidet zwischen Erfolgs- und Tätigkeitsdelikten aufgrund der verschiedenen Beziehungen zwischen Handlung und Erfolg (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 36).

Problembehandlung

1. Erfolgsdelikte

Totschlag, Körperverletzung oder Sachbeschädigung sind sogenannte Erfolgsdelikte, d.h. für die Erfüllung des Tatbestandes ist ein von der Handlung abgrenzbarer Erfolg in der Außenwelt vonnöten (Krey/Esser Strafrecht AT, 6. Aufl. 2016, Rn. 218). Es stellt sich dann die Frage nach einem ursächlichen Zusammenhang (Kausalität) zwischen Handlung und Erfolg (Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 218; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 37).

Untergruppe: Erfolgsqualifizierte Delikte

Die erfolgsqualifizierten Delikte sind eine Untergruppe der Erfolgsdelikte. Bei diesen ordnet das Gesetz eine Strafschärfung an, wenn durch Begehen eines Grunddelikts eine besonders schwere Folge (mindestens fahrlässig) herbeigeführt wird (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 38). Dies ist der Fall, wenn etwa eine vorsätzliche Körperverletzung zum Tod des Opfers führt (§ 227).

2. Tätigkeitsdelikte

Tätigkeitsdelikte hingegen sind schon erfüllt, wenn die tatbestandsmäßige Handlung ausgeführt wurde, unabhängig davon, ob ein von ihr abhängiger Erfolg eingetreten ist (Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 219). Als Beispiel wird der Meineid nach § 154 angeführt. Der Tatbestand ist bei einer Falschaussage unter Eid erfüllt, unabhängig davon, ob das Gericht den Gegenstand der Falschaussage für wahr oder falsch hält.

Zu den Tätigkeitsdelikten gehören auch echte Unterlassungsdelikte wie beispielsweise § 323c. Auch hier wird der Tatbestand durch das Unterlassen erfüllt, ganz gleich, ob ein Erfolg in der Außenwelt eingetreten ist (Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 219).

Zur Vertiefung: Rönnau, JuS 2010, 961

16.08.2017