Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Verletzungs- und Gefährdungsdelikte

Tags

Rechtsgüter; Gefährdung; Verletzung; Delikte

Problemaufriss

Bei den Verletzungs- und Gefährdungsdelikten wird für die Auswirkungen der Tat auf das zu schützende Rechtsgut abgestellt. Verletzungsdelikte setzen eine Beeinträchtigung des Rechtsguts sowie eine Beeinträchtigung des dazugehörigen Tatobjekts voraus. Bei Gefährdungsdelikten reicht dagegen eine bloße Gefährdung des Rechtsguts aus (Hilgendorf/Valerius Strafrecht AT, 2. Aufl. 2015, § 1 Rn. 57).

Problembehandlung

1. Verletzungsdelikte

Der Tatbestand eines Verletzungsdelikts ist erfüllt, wenn ein schädigender, realer Eingriff in ein Rechtsgut des Opfers vorgenommen wird (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 40a). Dieser ist beispielsweise bei einer Körperverletzung nach § 223 oder einer Sachbeschädigung nach § 303 gegeben.

2. Gefährdungsdelikte

Gefährdungsdelikte werden in konkrete und abstrakte Gefährdungsdelikte unterteilt:

a) Konkrete Gefährdungsdelikte

Um den objektiven Tatbestand zu erfüllen, erfordert es eine konkrete Gefährdung des Rechtsguts (Krey/Esser Strafrecht AT, 6. Aufl. 2016, Rn. 222). Eine Gefahr ist konkret, wenn der Eintritt eines Schadens nur noch vom Zufall abhängig ist (Fischer StGB, 64. Aufl. 2017, § 315c Rn. 15a). Konkrete Gefährdungsdelikte sind damit Erfolgsdelikte.
Ein Beispiel für ein konkretes Gefährdungsdelikt stellt die Gefährdung des Straßenverkehrs z.B. durch Trunkenheit am Steuer nach § 315c I Nr. 1a dar, wodurch Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet werden.

b) Abstrakte Gefährdungsdelikte

Bei abstrakten Gefährdungsdelikten liegt dagegen eine gesetzliche Vermutung vor, dass bestimmte Handlungen für das zu schützende Rechtsgut generell gefährlich sein könnten (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 43; Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 224). Abstrakte Gefährdungsdelikte sind damit schlichte Tätigkeitsdelikte, deren Tatbestand also mit der Vornahme der tatbestandsmäßigen Handlung und unabhängig eines Erfolgseintritts erfüllt ist (Krey/Esser Strafrecht AT, Rn. 224). Die Anforderungen eines abstrakten Gefährdungsdelikts erfüllt beispielsweise die schwere Brandstiftung nach § 306a I.

16.08.2017