Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Zustands- und Dauerdelikte

Tags

Zustand; Dauer; Delikte; Vollendung, Beendung

Problemaufriss

Neben der Herbeiführung eines widerrechtlichen Zustandes bilden dessen willentliches Aufrechterhalten die Anknüpfungspunkte für die Unterscheidung zwischen Zustands- und Dauerdelikt (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 45).

Problembehandlung

1. Zustandsdelikt

Der tatbestandliche Unwert zeigt sich in der Herbeiführung eines widerrechtlichen Zustandes, sodass die Tat bei Erfolgseintritt nicht nur vollendet, sondern auch beendet ist (Kindhäuser Strafrecht AT, 7. Aufl. 2015, Rn. 25). Beispiele für ein Zustandsdelikt sind die Körperverletzung nach § 223 oder die Sachbeschädigung nach § 303.

2. Dauerdelikt

Bei Dauerdelikten wird der widerrechtliche Zustand nicht nur herbeigeführt, sondern über einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 46). Die Vollendung liegt zwar schon mit der Tatbestandsverwirklichung vor, die Verjährungsfrist beginnt aber erst mit der Beendigung (§ 78a) (Kindhäuser Strafrecht AT, Rn. 24). Ein Beispiel ist das Dauerdelikt der Freiheitsberaubung (§ 239): Diese ist zwar vollendet, wenn das Opfer eingesperrt ist, die Beendigung tritt aber erst mit Aufhebung der Freiheitsentziehung und Wiederherstellung der Fortbewegungsfreiheit ein (BGHSt 20, 227, 228). Erst dann beginnt die Verjährungsfrist zu laufen.

23.08.2017