Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Das Strafrecht nimmt im öffentlichen Recht eine Sonderstellung ein, ...

  • weil es traditionell ein eigenständiger Forschungsbereich ist.
  • da die strafrechtliche Verurteilung die schärfste Eingriffsform des Staates in die Freiheit der Gesellschaftsmitglieder darstellt.
  • da Täter und Opfer in einem Gleichordnungsverhältnis zueinander stehen und sich das Strafrecht dadurch von den anderen Teilbereichen des öffentlichen Rechts unterscheidet.

Weil das Gewaltmonopol des Staates die private Vergeltung erlittenen Unrechtes ausschließt, kommt die Strafverfolgung dem Staate zu. Das Strafrecht wird also durch das sogenannte Subordinationsverhältnis (das Über-Unterordnungsverhältnis zwischen Staat und Bürger) gekennzeichnet. Es ist somit Teil des öffentlichen Rechtes (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 45. Aufl. 2015, Rn. 4).

Tatsächlich waren und sind das Strafrecht und das öffentliche Recht in Forschung und Lehre eigenständige Gebiete. Die Frage stellt sich jedoch, warum dies der Fall ist. Die Eigenständigkeit beruht nicht darauf, dass Täter und Opfer Gesellschaftsmitglieder sind, auch im Baurecht als einem Rechtsgebiet aus dem öffentlichen Recht können beispielsweise Nachbarn miteinander in Konflikt geraten. Während im Baurecht aber beispielsweise "nur" eine Abrissverfügung die Rechtsfolge wäre, geht es im Strafrecht um die schärfste dem Staat zur Verfügung stehende Sanktion, die Verhängung einer Freiheitsstrafe. Dies ist nur unter strengsten (verfassungsrechtlichen) Kautelen zulässig. Die strafrechtliche Verurteilung stellt einen so schwerwiegenden Einschnitt in die bürgerlichen Freiheiten des Täters dar, dass das Strafrecht nur als letztes Mittel, als ultima ratio, herangezogen werden darf (Rengier Strafrecht AT, 9. Aufl. 2017, § 3 Rn. 5).