Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

30.10.2019

Exzellenz und Tafelsilber ade

Von Roland Hefendehl

Die Kamele der Exzellenzkarawane sind an Freiburg vorbei nach Tübingen und Konstanz gezogen, auch wenn man über Jahre hinweg im Rektorat wie die Wahnsinnigen Geld und Energie in dieses Projekt investiert hatte.

Im Anschluss wurde ein bisschen gebellt, jetzt ist Alltag. Und das Rektorat schreitet bei der Demo unter dem Motto „Hochgeschult – kaputtgestartet" munter voran. „Wir haben in den letzten Jahren unser Tafelsilber verkauft. Es gibt keine Rücklagen mehr“, so Rektor Schiewer letzte Woche bei der Eröffnung des Akademischen Jahres.

Bescheiden möchten wir einwerfen: Vielleicht ging dieses Tafelsilber auch zu einem guten Teil für die Exzellenzinitiative drauf?

„Für mehr als 2000 Studierende sei der Studienplatz nicht finanziert“, so weiter die Kritik. – Ein misslicher Befund, der allerdings in der heißen Phase der Exzellenzbewerbung keinerlei Rolle spielte. Hier hatten die Studierenden mit Studienplatz im Wesentlichen die Funktion von Claqueuren.

"Der Uni fehlen fast überall Stellen und gerade mal gut zehn Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter haben unbefristete Verträge", erklärt Peronalratsvorsitzender Waller. Das müsse sich ändern.

Wäre nicht schlecht, stimmt. Wir fragen uns vor diesem Hintergrund aber, wie sich die Beteiligung am Exzellenzwettbewerb erklären lässt. Denn, so die Initiative Exzellenzkritik zutreffend: „Die Situation des wissenschaftlichen „Nachwuchses“ in Deutschland wurde durch die Exzellenzinitiative weiter verschlechtert, weil sie die Zahl der befristeten Stellen unterhalb der Professur vermehrt hat.“

Das Bündnis ist überaus breit aufgestellt, weiß Hofberichterstatter Fabian Vögtle von der Badischen Zeitung voller Begeisterung zu berichten. – Wir waren nicht dabei. Wir lassen uns nicht so gerne vor jeden x-beliebigen Karren spannen. Der Speerspitze der Demonstration wird dies reichlich egal sein.


Kommentare

31.10.2019, 09:12 Uhr von RH

Der kritische Journalismus der BZ

Wie vielfach und auch in diesem Beitrag ausgeführt, sind wir über die Art des Journalismus der Badischen Zeitung immer wieder regelrecht erschrocken (vgl. auch den jüngsten NL unter VI.). Wer das Monopol in der Regio hat, meint es sich offensichtlich leisten zu können. Dass wir keinesfalls auf Besserung hoffen sollten, beweist der heutige Kommentar in der BZ eindrucksvoll, der ohne den Hauch von Problemsensibilität nun die Forderung nach Studiengebühren aus der Mottenkiste hervorholt.