Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

01.10.2020

Schlagstöcke und Alternativen

RH hat mit Jens Kitzler (Der Sonntag, Badische Zeitung) schon über Alkoholverbote, gefährliche Orte und nächtliche Kontrollaktionen gesprochen. Es war nicht immer einfach, aber Jens Kitzler schenkte doch, nur unmerklich die Stirn runzelnd, der anderen Ansicht sein Ohr. 

Damit ist es nun vorbei. Denn Jens Kitzler ist offensichtlich in die Riege der Chef-Grübler der Regio-Gazette aufgestiegen. Und dies bedeutet wiederum neben einem Gehaltssprung, dass man sich allenfalls noch selbst flüchtig fragt, was richtig und was falsch ist. Offensichtlich gibt es für die BZ-Plus-Kommentare auch so eine Art Schablone: Man greife ein kontroverses Thema auf und solidarisiere sich schweren Herzens mit der Obrigkeit, fordere aber abschließend die Suche nach einer noch besseren Alternative, die nur derzeit leider noch nicht ersichtlich sei. 

Auf unseren Fall übertragen: Hüter der Ordnung und damit der Gesellschaft bedürften des Respekts und bei zunehmend renitenten BürgerInnen zumindest der Möglichkeit, sich selbst zu schützen.

https://strafrecht-online.org/bz-schlackstock-1 [kostenlose Registrierung]

Und natürlich weiß OB Horn (partei- und konturenlos) mit feinem Gespür, auf welche Seite er sich blind zu stellen hat. Dieses Mal ist er sogar bereit, gegen „Jungpolitiker“ und damit nach Selbsteinschätzung seinesgleichen das Wort zu erheben.

https://strafrecht-online.org/bz-schlackstock-2

Auch wenn aus besagten Gründen Jens Kitzler, Christian Rath und die weiteren BZ-Experten (es geht dann noch im Wesentlichen um den SC) kein Interesse an Input von dritter Seite haben und lieber im eigenen Saft schmoren: Wir wollen doch aus alter Gewohnheit bescheiden, aber eifrig unseren Arm recken. Und zum wiederholten Mal den Vorschlag unterbreiten, endlich auf derartige Ordnungshüter zur Erhaltung des gutbürgerlichen Lebensgefühls zu verzichten. Denn deren Aufgabe muss es zwangsläufig sein, das andere aus dem Stadtbild schleunigst zu verdrängen.

http://www.strafrecht-online.org/pdf.2012_10_19 [II.]

Wer auf diese Weise die von uns so beschriebene „Kontrolle nach unten“ betreiben will, hat jegliche Sensibilität dafür verloren, warum es wohl auf dem Platz der Alten Synagoge hausierende wild pinkelnde Penner gibt und wofür der immer weiter schrumpfende öffentliche Raum gesellschaftlich dienen könnte.

http://www.strafrecht-online.org/nl-2017-10-20 [II.]

Eine solche Abschaffung der Ordnungshüter wäre nicht einmal unsere subversive Sondermeinung, sondern ginge konform mit einer weit verbreiteten Einstellung in der Freiburger Bevölkerung, die keinen derartigen Back-up der Polizei wünscht. 

https://www.strafrecht-online.org/nl-2020-06-26 [II.]

Aber aus alter Verbundenheit mit dem Kämpfer Kitzler wollen wir ihn nicht im Regen stehen lassen: Wir wäre es mit dem weiteren Argument, die Schlagstücke seien doch nun schon einmal angeschafft?

https://strafrecht-online.org/bz-schlackstock-3

Und bei dieser Gelegenheit: Die Kameras hängen doch auch schon seit Monaten. Schaltet sie endlich an! Was kümmert uns die miese virusbedingte Kriminalitätsflaute. Zur Konformität werden die Kameras allemal beitragen.


Kommentare

03.10.2020, 21:03 Uhr

Einschaltung überbewertet

Das behauptete erhöhte Sicherheitsgefühl wird wohl auch mit ausgeschalteten Kameras erreicht werden können. Schließlich ist der Großteil der Freiburger Bevölkerung (mich eingeschlossen) nicht imstande, von außen zu beurteilen, ob eine Kamera nun an ist oder nicht, wenn nicht gerade ein rotes Licht an ihr blinkt.