Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Wiederholungs- und Vertiefungsfragen

Stand: 01.07.2022

§ 1 - Jugend als Lebensphase

Aus welchen Blickwinkeln lässt sich die „die Jugend“ beispielsweise betrachten?

Beispielsweise aus denen der Psychologie, Biologie oder Soziologie, aber auch des Rechts.

 

Was spricht für und gegen das Stufenmodell der Moralentwicklung nach Kohlberg?

Pro: schnelle Diagnostik entwicklungsbedingter Probleme möglich, woran Hilfsangebote anknüpfen können; contra: empirisch valide Überprüfung kaum möglich; Zusammenhang zwischen niedriger Entwicklungsstufe und delinquentem Verhalten fraglich

 

Nennen Sie eine soziologische Begründung für die Besonderheit der Phase Jugend.

Jugendliche sind mit einer neuen sozialen Rolle konfrontiert, beispielsweise infolge geringerer Abhängigkeit von Bezugspersonen, verstärkter Autonomie und stärkerer Einbindung in peer groups.

 

§ 2 - Das Phänomen Jugenddelinquenz

Wie verhält sich der Anteil jugendlicher Tatverdächtiger zum Anteil Jugendlicher an der Bevölkerung?

Er ist mehr als zweifach größer.

 

Wie kann Jugenddelinquenz charakterisiert werden?

Als ubiquitäres und episodenhaftes Phänomen.

 

Nennen Sie Erklärungsversuche für jugendliche Delinquenz.

Von Bedeutung sind psychologische, biologische und soziologische Faktoren, ferner spielt der labeling approach eine Rolle.

 

§ 3 Jugendstrafrecht und Jugendhilferecht

Was ist hiermit gemeint: „Gute Sozialpolitik rechnet nicht“?

Sozialpolitik kann zur Verringerung von Kriminalität beitragen. Da abweichendes Verhalten junger Menschen in einem gewissen Rahmen aber normal ist, sind fördernde Maßnahmen auch unabhängig von ihrem Beitrag zur Kriminalitätsreduzierung vorzunehmen.

 

Nennen Sie Beispiele für primäre, sekundäre und tertiäre Prävention.

Primäre: Bildung, Freizeitangebote, Selbstbehauptungskurse; Sekundäre: Erziehungshilfe, Personenschutz, Videoüberwachung; Tertiäre: ToA, Frauenhäuser, Einziehung

 

§ 4  Jugendstrafrecht und Allgemeines Strafrecht

Welche beiden Merkmale sind erforderlich, damit ein Jugendlicher strafrechtlich verantwortlich ist?

Einsichtsfähigkeit und Steuerungsfähigkeit

 

Was geschieht bei fehlender strafrechtlicher Verantwortlichkeit i.S.d. § 3 S. 1 JGG?

Strafverfahren muss beendet werden, Maßnahmen  nach § 3 S. 2 JGG sind möglich

Wie verhält sich § 3 JGG zu § 17 StGB und zu §§ 20, 21 StGB?

Nach h.M. sind die Regelungen nebeneinander anwendbar

§ 5  Die Verfahrensbeteiligten am Jugendgericht

Wer ist im Jugendstrafverfahren beteiligt?

Beschuldigte Person, JugendrichterIn, Jugendstaatsanwalt/-anwältin, JGH, Erziehungsberechtigte, Verteidigung.

 

Welchem Konflikt sieht sich die JGH im Einzelfall ausgesetzt?

Konflikt zwischen Unterstützung des Gerichts einerseits und der jugendlichen Person andererseits.

 

§ 6  Das Jugendstrafverfahren und seine Besonderheiten

Wozu gibt es die Möglichkeit eines vereinfachten Jugendverfahrens?

Um das Verfahren weniger förmlich und damit effizienter und an die jugendliche Person angepasst gestalten zu können.

 

Welche besonderen Verfahrensarten des allgemeinen Strafrechts gibt es im Jugendstrafverfahren nicht?

Strafbefehlsverfahren, im Verfahren gegen Jugendliche (nicht aber Heranwachsende) zudem: beschleunigtes Verfahren, Privatklage, Adhäsionsverfahren

 

Welche Besonderheiten bestehen im Ermittlungsverfahren?

z.B. Persönlichkeit der beschuldigten Person zu erforschen; Kooperation mit bestimmten Instanzen (z.B. JGH); vorläufige Anordnung über die Erziehung oder einstweilige Unterbringung; Untersuchungshaft nur im Ausnahmefall

 

Welche Rechtsmittel können gegen ein jugendstrafrechtliches Urteil eingelegt werden?

Grundsätzlich entweder Berufung oder Revision.