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Alright
Kurz vor der Stichwahl um das Amt des Münchener Oberbürgermeisters bezeichnete sich Dieter Reiter im Umgang mit seinen erst auf den letzten Drücker abgegebenen Ämtern beim FC Bayern als „fast nicht ganz bei Sinnen“ und „völlig schiefgewickelt“. Die Watsch’n habe es gebraucht.
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Nach der Wahl konstatierte er: „Ich hab’s verbockt, es ist meine Schuld.“
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Ikarus Manuel Hagel wiederum sah sich leicht zerknirscht zu dem Eingeständnis veranlasst, der Satz mit den rehbraunen Augen einer Schülerin aus einer ohnehin nicht zu verachtenden Mädchenklasse sei „Mist“ gewesen. Seine Frau habe ihm hierfür „gleich am Abend ordentlich den Kopf gewaschen“.
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Und Andreas Stoch – nennen wir ihn mal mit den 5,5 Prozent für die SPD Super-Ikarus – fehlte zunächst jegliches Unrechtsbewusstsein, als er seinen Fahrer während eines Wahlkampfauftritts in einem Tafelladen kurz einmal für eine Pâté de Campagne und eine Entenpastete nach Frankreich fahren ließ.
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Nachdem Stoch zunächst noch ganz im Sinne des SPD-Wahlkampfslogans „Weil es um Dich geht“ davon schwärmte, schöne Entenpastete sei einfach etwas Herrliches, sah er sich anschließend zu einem leichten Bedauern veranlasst, vielleicht auch nur dafür, dass er so blöd gewesen ist, sich beim Auftrag filmen zu lassen.
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Nehmen wir noch unseren Tennis spielenden Regierenden Bürgermeister von Berlin hinzu (zu ihm o. I.), haben wir gleich mal ein Quartett zusammen und drängt sich der Eindruck auf, derartige Fehlleistungen häuften sich ein wenig. Die Bandbreite der Versäumnisse ist dabei beachtlich und reicht von Taktlosigkeiten über disziplinarrechtlich relevantem Verhalten bis hin zu einem patriarchalen Weltbild, das über den Hinweis auf die Rolle der Frau, die ihren „Mann ohne eigene Einsicht“ ein wenig zu zähmen habe, eher bestätigt als revidiert wird.
Wir erkennen an, dass Politiker:innen ein entbehrungsreiches Leben führen und sie dabei bereichsweise durchaus eine respektable Vision haben. Und wir wissen darum, dass nicht nur Sozialhilfeempfänger oder durch die Innenstadt Schlendernde ohne Unterlass und ohne Halbwertszeiten gescannt werden, sondern eben auch sie. Vor diesem Hintergrund sollten wir bereit sein, lässliche Fehler, Wissenslücken, Ungeschicklichkeiten oder auch eine aus Überforderung rührende Gereiztheit zu akzeptieren. Passiert uns permanent. Nur Markus Lanz ist davor nach ausgiebiger Vorbereitung gefeit und ergötzt sich unbändig und stundenlang weiterbohrend an fehlendem Wissen über die exakte Höhe des Verteidigungshaushalts, der ohnehin mit jeder Minute weiter anwächst.
Trotz dieser Nachsicht sind wir aber nicht bereit, solche Defizite in Kauf zu nehmen, die uns das Vertrauen in eine Person nehmen, weil sie wie bei Manuel Hagel auf überkommenen patriarchalen Strukturen beruhen oder darauf hindeuten, dass eine soziale Schieflage nicht einmal wahrgenommen wird.
Und wie sieht es nun mit dem Treibhauseffekt aus, den Manuel Hagel durchaus ein wenig holprig erläuterte?
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Wenn Fridays for Future dies mit dem Hinweis „Wussten gar nicht das Manuel Hagel anscheinend auch die Schule bestreikt hat“ kommentiert, spricht dies relativierend ein wenig für sich, mögen zugegeben auch Konjunktion und Klimakatastrophe nicht dieselbe Wertigkeit haben.
Vor dem Hintergrund der anderen weit größeren Untiefen sagen wir in diesem Fall ganz lässig wie Manuel Hagel selbst: „Alright, oder?“ Worauf die Lehrerin übrigens süffisant antwortete: „Wunderbar, bin beeindruckt!“
Hagel wird trotz seines Nachnamens eh nicht Umweltminister werden. Sein Parteikollege Gordon Hoffmann wiederum, nach eigenen Angaben stinkend faul und mit Hängen und Würgen durch die zehnte Klasse gekommen, wird Brandenburgs neuer Bildungsminister. Aber das ist eine andere Geschichte.
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