Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Überlegenes Wissen

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Überlegenes Wollen; Täuschung; Werkzeug

Problemaufriss

Kennzeichen der mittelbaren Täterschaft ist die Überlegenheit des Hintermannes gegenüber dem unmittelbaren Täter aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen: Dabei beherrscht er die Situation, weil er die Sachlage korrekt erfasst und das Gesamtgeschehen planvoll lenkend in Händen hält (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 773).

Eine solche Herrschaft des Hintermanns kann anerkanntermaßen kraft überlegenen Wissens, überlegenen Wollens oder aufgrund eines organisatorischen Machtapparats bestehen. Die Herrschaft kraft überlegenen Wissens beruht dabei auf einer Täuschung des Werkzeugs und damit auf einem Defizit im Kenntnisstand gegenüber dem Hintermann (Studienkommentar StGB/Joecks/Jäger, 12. Aufl. 2018, § 25 Rn. 22 f.).

Wann kann die mittelbare Täterschaft kraft überlegenen Wissens bejaht werden?

Problembehandlung

Unproblematisch erfüllt ist die mittelbare Täterschaft, wenn das Werkzeug selbst den objektiven oder den subjektiven Tatbestand nicht erfüllt oder aber nicht rechtswidrig handelt; gleiches gilt in den Fällen des absichtslos-dolosen Werkzeugs (Studienkommentar StGB/Joecks/Jäger, § 25 Rn. 24 ff., 29).

Zweifelhaft erscheinen hingegen die Fälle des Irrtums über den konkreten Handlungssinn, des qualifikationslos-dolosen und des entschuldigten Werkzeugs sowie des vermeidbaren Verbotsirrtums. Sie werden bis auf erstere jeweils an anderer Stelle erörtert.

In den Fällen des Irrtums über den konkreten Handlungssinn weiß der Ausführende um seine Handlung sowie um deren "Verbotensein" und handelt auch schuldhaft. Nichtsdestotrotz wird in bestimmten Konstellationen die beherrschende Stellung eines Hintermanns diskutiert (vgl. Studienkommentar StGB/Joecks/Jäger, § 25 Rn. 39 ff.).

Beispiele: Selbstverletzungen oder -tötungen nach psychischer Einwirkung auf den Ausführenden (Sirius-Fall, vorgetäuschter Doppelselbstmord), Irrtum über Unrechtsqualifizierung (Ausführender denkt, er würde eine gefährliche Körperverletzung begehen, während er tatsächlich eine schwere begeht) oder Unrechtsquantifizierung (Ausführender ist sich des Schadensumfangs nicht bewusst), manipulierter error in persona (Ausnutzen eines unbeachtlichen e.i.p. durch Hintermann)

18.09.2017