Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Anstiftung zur Anstiftung (Kettenanstiftung)

Tags

Bestimmen; Teilnahme; Haupttat; Anstiftervorsatz; hinreichend konkretisiert

Problemaufriss

Macht sich auch derjenige strafbar, der einen anderen dazu anstiftet, einen Dritten zu einer vorsätzlichen, rechtswidrigen Haupttat anzustiften?

Beispiel: A bittet B, für sie jemanden zu finden, der ihren Mann C tötet. B bringt D dazu, C zu töten. Strafbarkeit der A?

Problembehandlung

Die Anstiftung zur Anstiftung wird ebenso wie die Anstiftung zur Haupttat bestraft (BGHSt 7, 237). Entsprechend bedarf es auch in der Person des mittelbaren Anstifters des doppelten Anstiftervorsatzes, mithin des Vorsatzes hinsichtlich der Begehung einer hinreichend konkretisierten Haupttat (Rengier Strafrecht AT, 9. Aufl. 2017, § 45 Rn. 76).

Dabei muss der ursprüngliche Anstifter den Haupttäter nicht kennen, vielmehr genügt die Bestimmung einer konkreten Einzelperson, die die weitere Anstiftung begehen soll (Münchener Kommentar StGB/Joecks, 3. Aufl. 2017, § 26 Rn. 103). Andernfalls würde in den meisten Fällen eine strafbare Anstiftung durch den Hintermann ausscheiden, obwohl der Gesetzgeber in § 30 I, II ("ein Verbrechen zu begehen oder zu ihm anzustiften") die Kettenanstiftung anerkennt und der Hintermann regelmäßig gerade der gefährlichste Mann ist, welcher das Geschehen erst in Gang gesetzt hat; besonders im Rahmen der organisierten Kriminalität könnte ansonsten der „Boss“ mit seiner Unwissenheit hinsichtlich der Person des unmittelbaren Täters stets einer Strafverfolgung entgehen (Roxin Strafrecht AT II, 2003, § 26 Rn. 177). Die Zahl der Glieder der Kette ist irrelevant (BGHSt 6, 359).

18.09.2017