Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Anforderungen an den Gehilfenbeitrag

Tags

Teilnahme; Beihilfe; § 27; objektiver Tatbeitrag; Hilfeleisten; Fördern; Teilnahmehandlung; Unterstützungshandlung; psychische Beihilfe; physische Beihilfe

Problemaufriss

Voraussetzung der Strafbarkeit von Beihilfehandlung (§ 27) ist zunächst stets das Vorliegen einer durch den Haupttäter vorsätzlich begangenen rechtswidrigen Haupttat. Fraglich ist sodann, wie der spezifische Beitrag des Gehilfen gestaltet sein muss, um dessen Strafbarkeit zu begründen (Kühl Strafrecht AT, 8. Aufl. 2017, § 20 Rn. 211).

Problembehandlung

"Hilfeleisten" ist jede Handlung des Teilnehmers, die die Herbeiführung des Taterfolges durch den Haupttäter objektiv fördert oder erleichtert. Dabei muss die Beihilfehandlung für den Taterfolg selbst nicht ursächlich gewesen sein (BGHSt 46, 107, 109) und kann auch schon im Vorbereitungsstadium der Haupttat geleistet werden.

Umfasst vom Hilfeleisten ist insbesondere das Ermöglichen, Erleichtern, Beschleunigen oder Intensivieren der Haupttat (Jescheck/Weigend Strafrecht AT, 5. Aufl. 1996, § 64 III 2c), sofern dieses jeweils bis zur Vollendung der Haupttat in irgendeiner Weise wirksam ist. Zwei Arten der Beihilfe werden grundsätzlich unterschieden:

1. Als physische Beihilfe wird jede Mitwirkung am äußeren Tatgeschehen verstanden, z.B. Bereitstellung von taterleichternden Hilfsmitteln (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn.828).

2. Die psychische Beihilfe kann entweder in einer technischen Rathilfe (z.B. Tipps zur Tatbegehung, Beschreibung der Räumlichkeiten) oder einer Bestärkung des Tatentschlusses bestehen. Ersteres ist allgemein anerkannt, letzteres wird jedenfalls von der h.M. als ausreichend angesehen (vgl. hierzu das entsprechende Problemfeld) ((Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn.828).

Das Bestärken des Tatentschlusses kann nach herrschender Ansicht auch darin liegen, dass dem Täter ein erhöhtes Gefühl der Sicherheit vermittelt wird (etwa durch Begleitung des Täters zum Tatort). Hingegen wird die bloße Anwesenheit am Tatort und erst recht die innere Billigung der Tat nicht als psychische Beihilfe anerkannt, da in ihr regelmäßig keine ausreichende Förderung durch aktives Tun liegt (Rengier Strafrecht AT, 8. Aufl. 2016, § 45 Rn. 90).

17.05.2017