Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Aufgeben i.S.d. § 24 StGB

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Versuch; Rücktritt; Aufgeben; unbeendeter Versuch; endgültig; vollständig

Problemaufriss

Beispiel: Briefmarkensammler B, der eine wertvolle Sammlung besitzt, fährt eine Woche in den Urlaub. In dieser Zeit möchte T die Sammlung entwenden. Er bricht in die Wohnung des B ein und versucht, den Safe zu knacken. Dabei bemerkt er, dass seine Werkzeugauswahl nicht sonderlich glücklich war. Er könnte den Safe zwar knacken, dies würde jedoch erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als mit dem richtigen Werkzeug. Er beschließt, mit dem passenden Werkzeug am Montag wiederzukommen. Hierzu kommt es allerdings nicht, da T vorher verhaftet wird.

Das Aufgeben i.S.v. § 24 I Alt. 1 setzt voraus, dass der Täter von der weiteren Realisierung des Tatentschlusses, den gesetzlichen Tatbestand zu verwirklichen, durch einen entsprechenden Gegenentschluss Abstand nimmt. Hierbei ist die Vorstellung des Täters, den Tatbestand überhaupt noch verwirklichen zu können, maßgeblich (BGHSt 22, 30 f.).

Fraglich ist ob eine vollständige und endgültige Aufgabe des Tatbestandsvorsatzes zu verlangen ist.

Problembehandlung

Ansicht 1: Eine Ansicht setzt ein endgültiges Abstandnehmen vom gesamten verbrecherischen Tatplan voraus (RGSt 72, 349, 350; BGH NJW 1980, 602). Denn das Privileg eines straffreien Rücktritts sei nur demjenigen zuzubilligen, der aufgibt und nicht nur aufschiebt (BGH NStZ 2009, 502).

Kritik: Diese Ansicht setzt dem Rücktritt zu enge Grenzen. Ein bloßes Offenhalten einer neuen Tat lässt zwar auf die rechtsfeindliche Gesinnung des Täters schließen, steht dem Rücktritt einer bereits begonnenen Tat aber nicht entgegen, zumal es nicht sicher ist, ob es überhaupt zu einem neuen Tatentschluss kommt (BGHSt 33, 142, 145; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 903).

Ansicht 2: Eine andere Ansicht setzt voraus, dass der Täter von dem versuchten und von jedem äquivalenten (späteren) Angriff auf das gleiche Tatobjekt, die zusammen einen einheitlichen Lebensvorgang bilden, Abstand nimmt (Baumann/Weber/Mitsch Strafrecht AT, 11. Aufl. 2003, § 27 Rn. 29a).

Kritik: Diese Ansicht mag zwar dogmatisch überzeugen, setzt sich aber über den Wortlaut des § 24 hinweg (Systematischer Kommentar StGB/Rudolphi [April 1993], § 24 Rn. 18a).

Ansicht 3: Nach der Gegenansicht muss der Täter nur die konkrete Form der Tatausführung aufgeben, nicht jedoch den gesamten verbrecherischen Entschluss. Es sei denn, der Täter behält sich weitere Akte vor, die mit dem bereits begangenen Versuch eine natürliche Handlungseinheit bilden (Fischer StGB, 64. Aufl. 2017, § 24 Rn. 26; Münchener Kommentar StGB/Hoffmann-Holland, 3. Aufl. 2017, § 24 Rn. 96 f.).

Kritik: Dem Täter ist fast nie nachzuweisen, ob er in Zukunft noch etwas Böses im Schilde führt (Roxin Strafrecht AT II, 2003, § 30 Rn. 161).

Ansicht 4: Eine weitere Ansicht differenziert danach, ob sich der Täter durch die Aufgabe der Tatausführung als ungefährlich erwiesen hat oder nicht (SK/Rudolphi [April 1993], § 24 Rn. 18a).

Kritik: Wer die konkrete Tatausführung aufgibt, kann damit seine Gefährlichkeit wie aber auch seine Ungefährlichkeit unter Beweis stellen. Der Wortlaut des § 24 bietet keinen Anknüpfungspunkt für eine solche Differenzierung (Heinrich Strafrecht AT, 4. Aufl. 2014, Rn. 844).

11.05.2017