Vortragsreihe TACHELES

Zivilklausel an Hochschulen - Nach der Zeitenwende überholt oder wichtiger denn je?

Veranstaltungsbeschreibung

Die Zivilklausel verpflichtet Hochschulen, ausschließlich für zivile Zwecke zu forschen und zu lehren. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und einer vielfach veränderten sicherheitspolitischen Wahrnehmung wird zunehmend infrage gestellt, ob eine solche Selbstverpflichtung noch zeitgemäß ist.

So fordert etwa der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) die Abschaffung der auch an der Universität Freiburg geltenden Zivilklausel. Wer in Frieden leben wolle, müsse verteidigungsfähig sein, lautet das Argument. Militärische Forschung könne dazu beitragen, Bedrohungen abzuwehren und Sicherheit zu gewährleisten.

Vielleicht ist eine solche Forschung an Universitäten also sogar zu forcieren. Dies wäre eine Position, die gut in den Zeitgeist passen würde.

Aber wie steht es mit der Freiheit der Forschung als einem hohen Gut? Wäre nicht die Konsequenz ihrer Wertschätzung, dass man den an der Universität Forschenden freie Hand ließe, welche Schwerpunkte sie setzen? Dies könnte dann durchaus zu einer militärischen Forschung führen, müsste es aber nicht.

Das diametrale Gegenmodell zu einer geforderten Militäraffinität der Universitäten läge in einer bewussten Ablehnung jeglicher universitären Beiträge, die sich militärisch verwenden ließen. Warum? Weil man eine gesellschaftliche Verantwortung der Universitäten auch so interpretieren könnte, dass sie sich um Frieden und internationale Verständigung als der noch immer vorzugswürdigen Alternative kümmern sollten.

Aber wie würden wir es dann mit wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnissen halten, die sich nicht eindeutig zivilen oder militärischen Zwecken zuordnen lassen? Wir sprechen in insoweit von Dual Use-Verwendungen. Verschwimmen darüber nicht alle Begrenzungsversuche und gerät jede Zivilklausel faktisch zur Farce? Auch in Freiburg sind wissenschaftliche Einrichtungen sowie etliche mit diesen kooperierende Unternehmen mit der Entwicklung von Technologien befasst, die militärisch zum Einsatz kommen.

Es ist also wieder mal kompliziert. Im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion wollen wir unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen: Bedeutet die sogenannte Zeitenwende, dass die Zivilklausel überholt ist, oder ist sie gerade jetzt wichtiger denn je? Wie verhalten sich Forschungsfreiheit, gesellschaftliche Verantwortung und das Streben nach Sicherheit zueinander? Und kann eine Universität ihrem Anspruch, dem Frieden zu dienen, gerecht werden, wenn ihre Forschung zugleich militärischen Interessen zugutekommen kann?

Diese Fragen betreffen die junge Generation unmittelbar. Neben der Ausgestaltung von Studium und Wissenschaft sind grundlegende gesellschaftliche Entscheidungen über Aufrüstung, Wehrpflicht und die Verantwortung für Frieden und Sicherheit angesprochen, für die im Zweifel diese Altersgruppe in die Pflicht genommen wird.

Wir wollen daher allen Interessierten ein Forum bieten, darüber zu diskutieren, welche Rolle Hochschulen in einer zunehmend von Sicherheitsfragen geprägten Gesellschaft einnehmen sollten. Das Fishbowl-Format erscheint uns dabei als besonders geeignet, weil es dynamisch ist und zu kurzen Statements ohne große Vorbereitung einlädt. Vielleicht macht es ja sogar trotz des Themas ein wenig Freude.

Mittwoch, 25.11.2026, 19:15 Uhr, Hörsaal 1098 (KG I, Uni Freiburg)


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