Finanzierung von Jurcoach

Was ist Juroach?

Bei unserem digitalen Lehr- und Lernprojekt Jurcoach handelt es sich um eine von RH bereits in Dresden vor mehr als 25 Jahren konzeptionierte und seitdem erheblich ausgebaute Plattform, deren Philosophie es ist, von allen Interessierten kostenlos genutzt zu werden. Diese sollen dabei darauf vertrauen dürfen, dass alle Inhalte geprüft sind und daher universitären Anforderungen genügen. Von seiner Idee her baut Jurcoach dabei auch auf der niederschwelligen Mitwirkung von Interessierten auf, was nachgewiesene zusätzliche Lerneffekte bringt und die Datenbasis erweitert. Einige weitere Informationen zu Jurcoach finden sich hier.

Wie finanzieren wir Jurcoach?

Jurcoach ist kein in der Fakultät verankerter Lehrbestandteil und damit ein freiwilliges zusätzliches Angebot des LSH. RH ist seit vielen Jahren aus Überzeugung bereit, für dieses Open-source-Projekt erhebliche Lehrstuhlmittel (vor allem in Form von Personal) zur Verfügung zu stellen, was entsprechend zu Lasten seiner sonstigen Lehr- und Forschungsunterstützung geht. Daneben hat er während der bisherigen Laufzeit von Jurcoach erhebliche sechsstellige Drittmittel eingeworben, die Jurcoach zugutekamen. So war der Kanzler der TU Dresden bereit, das digitale Projekt erheblich finanziell zu fördern, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat unser auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt „JUKOL – kollaboratives digitales Lernen“ finanziert, das uns wertvolle Erkenntnisse für Jurcoach brachte.

Schließlich ist Jurcoach mehrfach prämiert worden, z.B. durch den renommierten Ars legendi Fakultätenpreis oder den Instructional Development Award der Universität Freiburg. Die Preisgelder sind ebenfalls in das Jurcoachprojekt geflossen. Einzelheiten zu Drittmittelprojekten und Auszeichnungen finden sich hier.

Neben diesen Finanzierungsquellen ist der LSH bestrebt, einen Teil von unter 50 % der Finanzierungskosten über das Studierendenvorschlagsbudget (SVB) zu erhalten. Denn wir sind überzeugt, dass unser Projekt geradezu im Begriffskern der Förderungswürdigkeit durch das Studierendenvorschlagsbudget (SVB) liegt (Einzelheiten zur Entstehung und Widmung des SVB finden sich hier): Jurcoach ist ein soziales und allen Interessierten ohne Zugangshindernisse offenstehendes universitäres Projekt. Es ergänzt das von der Fakultät bereitgestellte Lehrangebot auf innovative Art und Weise und erfreut sich überaus großer Beliebtheit.

Was wir mit Sicherheit nicht erstreben und auch als Eingriff in unsere Freiheit der Forschung und Lehre interpretieren würden, ist die Teilfinanzierung über kommerziell ausgerichtete Dritte wie Kanzleien und Ähnliches. Wir sind ein rein universitäres Projekt. Über den beschriebenen nicht erforderlichen Einsatz von Lehrstuhlmitteln betreibt RH als Budgetverantwortlicher im Ergebnis ein erhebliches Sponsoring aus Überzeugung heraus.

Ein Beispiel, wie wir die Finanzierung von Jurcoach im Rahmen eines Solidarpakts mit den Studierenden vorstellen, findet Ihr in der Antragsvorstellung für das SVB 2027.

Wofür benötigen wir eine finanzielle Unterstützung?

Jurcoach möchte verlässliche Tools und Informationen anbieten, also müssen die Inhalte auch fortwährend geprüft, ggf. korrigiert und aktualisiert werden. Zwei Beispiele: Muss ein Problemfeld nach einer neuen BGH-Entscheidung modifiziert werden? Haben sich seit der letzten Aktualisierung neue Literaturansichten herausgebildet, die in einer Klausur darzustellen wären?

Training für Klausuren und Hausarbeiten bedeutet immer auch, dass neue Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden müssen und neue Reize zu setzen sind. Jurcoach ist also eine in hohem Maße dynamische Plattform, die immer wieder innovative Ideen und Erkenntnisse aufgreift.

Für diese Aufgaben bedarf es eines Teams von studentischen und geprüften wissenschaftlichen Hilfskräften, die wiederum mit den Mitarbeitenden und dem Lehrstuhlinhaber insbesondere auch konzeptionell zusammenarbeiten.

Während die wiss. Mitarbeitenden von RH für diese Aufgabe teilweise freigestellt werden und sich RH überobligationsmäßig einbringt, müssen die studentischen und geprüften Hilfskräfte zusätzlich eingestellt werden.

Die Grundstruktur von Jurcoach ist in programmiertechnischer Hinsicht noch aus Lehrstuhlmitteln entwickelt worden, nunmehr ist eine IT-Fachkraft mit den weiter gewachsenen Aufgaben befasst, die auch die Integrierung unseres KI-Tools Jurbot umfasst. Für Letzteres benötigen wir zudem einen eigenen Server.

Wie hat sich die Unterstützung durch das SVB die letzten Jahre entwickelt?

Wie das sog. dezentrale SVB in den letzten Jahren auf die verschiedenen Anträge verteilt wurde, findet Ihr hier zusammengefasst.

Wie sind wir in den letzten Jahren bei unseren Anträgen vorgegangen? Wir haben zunächst eine Lehrstuhlquote für SHKs, WHKs und die IT-Stelle festgelegt, die seit vielen Jahren über 50 % der insgesamt benötigten Mittel betrug. Hierbei ist der erhebliche Input über die wiss. Mitarbeitenden und RH noch nicht einmal berücksichtigt. Den Rest haben wir über das SVB beantragt, wobei es sich jeweils um eine Ergänzung im Hilfskraftbereich und eine Teilfinanzierung unserer IT-Kraft handelte. Die insoweit über das SVB beantragten Mittel sind uns für das Jahr 2025 um 14 %, für das Jahr 2026 um 18 % und für das Jahr 2027 um 29 % gekürzt worden.

Uns ist natürlich bewusst, dass die Kürzungen darauf beruhten, dass andere zum Teil förderungswürdige Anträge priorisiert wurden. Wir bedauern allerdings, dass Kürzungen von Anträgen unter anderem aufgrund der vom Dekanat veranlassten Vollfinanzierung des Ex-o-Rep-Programms über das SVB und einer Teilfinanzierung des Klausurenkurses überhaupt notwendig wurden (zur Kritik siehe „SVB – Entstehung und Widmung“ unter C). All dies führt dazu, dass unser Finanzierungsmodell nun nicht mehr funktioniert und der von uns so beschriebene stillschweigende Solidarpakt aufgrund der erheblichen SVB-Kürzungen aufgekündigt ist.

Was sind die Folgen?

Wir unterscheiden die kurzfristigen Folgen und die perspektivischen Folgen.

Kurzfristig haben wir auf die Aufkündigung des Solidarpakts in dem Sinne reagieren müssen, dass wir die beschriebene erhebliche Unterstützung aus Lehrstuhlmitteln bereits aktuell reduziert haben. Das Ungleichgewicht zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung darf nach unserem Selbstverständnis nicht zu stark auseinanderklaffen. Natürlich lösen wir keine aktuellen Verträge mit unseren engagierten Mitarbeitenden auf, fahren aber das beschriebene Engagement der wiss. Mitarbeitenden zurück, womit das Jurcoach-Team im engeren Sinne weitere Aufgaben übernehmen muss. Nachbesetzungen aus Lehrstuhlmitteln wird es vorerst nicht geben.

Dies hat zu einigen schmerzhaften Einschränkungen bei den Angeboten von Jurcoach geführt, auf die wir jeweils hinweisen und die wir auch noch einmal hier übersichtlich zusammengefasst haben. Diese Einschränkungen entfalten teilweise bereits unmittelbar wegen des beschriebenen geringeren Lehrstuhlengagements Relevanz, werden sich aber insbesondere im Jahr 2027 fortsetzen und sogar verschärfen, für das uns noch einmal, wie beschrieben, ganz erheblich die beantragten SVB-Mittel gekürzt wurden.

Perspektivisch betrachten wir das Jahr 2027 einschließlich der dann anstehenden SVB-Vergaberunde als entscheidendes Testjahr dafür, ob wir Jurcoach ab 2028 auf dem für uns erforderlichen wissenschaftlichen Niveau aufrechterhalten und weiterentwickeln können. Denn dass es auch der Weiterentwicklungen bedarf, steht auf einem derart dynamischen Gebiet für uns außer Frage. Für die Konservierung eines bestehenden Zustands stehen wir nicht zur Verfügung. Für uns ist es leider im Moment durchaus nicht ausgemacht, dass es gelingen wird, Jurcoach auf eine solide mittelfristige finanzielle Basis zu stellen.

Es liegt somit in den Händen der Studierenden bei der nächsten SVB-Vergabe, ob sie unseren Einsatz hinreichend wertschätzen und künftig wieder im Sinne des beschriebenen Solidarpakts essenziell fördern wollen. Sollte dies nicht hinreichend der Fall sein, müssten wir Ende 2027 die Reißleine ziehen und Jurcoach vom Netz nehmen. Dabei ist uns bewusst, dass die nachweisbar gewaltige Beliebtheit von Jurcoach und die Zahl derer, die dann die Vergabe mitgestalten, extrem auseinanderklaffen.

Gründe der Transparenz veranlassen uns, bereits heute auf diese Situation hinzuweisen.


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