10.08.2010


Internetpranger für freigelassene Sexualstraftäter - Chef der Polizeigewerkschaft läuft Amok

Wendt, Chef, der Deutschen Polizeigewerkschaft, hat in einem "Na ja-Interview" sein wahres Gesicht gezeigt und in gedrängter Kürze alle gefährlichen Vorurteile über das Strafrecht und den Strafvollzug zusammengetragen, die man - weil platt und widerlegt - nicht einmal mehr dem gemeinen Volk zutraut. Na ja-Interview deshalb, weil so die Antworten von Wendt eben häufig beginnen und damit zum Ausdruck bringen, dass sie von der Qualität der zu beschützenden Enkelin "vor nachweislich gefährlichen Straftätern" sind. Den Nachweis erbringt Wendt natürlich nicht - ebenso wenig wie die von Feltes (vgl. die vorherige News) zutreffend hervorgehobenen empirisch validen Studien.

Die Eingangsfrage des Interviews lautete: "Herr Wendt, sind Sie ein Provokateur?" Wendt verneint - und wir stimmen ihm zu, denn er ist ein Ignorant und er ist gefährlich, nicht die entlassenden Straftäter. Ihm wäre es lieber, wenn ein Internet-Pranger überhaupt nicht notwendig sei, weil die "gefährlichen Täter" dort seien, wo sie hingehörten, nämlich hinter Schloss und Riegel. Und zwar - ein weiteres Mal gegen das Bundesverfassungsgericht - lebenslang im wahrsten Sinne des Wortes, ohne die Chance, jemals wieder Unglück über uns zu bringen, möchte man - sicherlich mit Zustimmung von Wendt - ergänzen.

Natürlich darf auch der Vorwurf nicht fehlen, dass wir ein "völlig täterorientiertes Strafrecht" hätten. Wenn die absurden Assoziationen von Wendt auch nur den Hauch von Aussicht auf Erfolg hätten, dann könnte man diese Täterorientierung aber noch steigern, indem wir, den Zweck des Strafvollzug mit Füßen tretend, dem entlassenen Straftäter in menschenwürdewidriger Weise jede Aussicht auf ein seine Grundrechte wahrendes Leben in Freiheit nehmen würden. Die Persönlichkeitsrechte des Opfers sind durch Strafverfahren und -vollzug berücksichtigt worden, danach gibt es keine Opfer mehr, sondern nur die Gesellschaft mit ihren ubiquitären, nicht zu vermeidenden Risiken, und zu dieser gehört auch der Entlassene.

Wer Interesse an einer präzisen und nüchternen Analyse abwegiger kriminalpolitischer Vorschläge hat, sei auf das Interview mit Jens Puschke verwiesen.