Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Gutgläubiger Dritter als zwischengeschaltetes Werkzeug

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mittelbare Täterschaft; § 25 I Alt. 2; Tatmittler; Werkzeug; gutgläubig; Gutgläubigkeit

Problemaufriss

Nach § 25 I Alt. 2 ist derjenige mittelbarer Täter, der die Tat "durch einen anderen" begeht. Der Täter bedient sich hier zur Ausführung der Tat einer weiteren Person, des Tatmittlers. Entscheidender Gedanke der mittelbaren Täterschaft ist somit, dass der Hintermann in der Lage ist, den Willen des Vordermanns zu steuern und er damit mittelbar auch (Tat-)Herrschaft über die Tatausführung erlangt. Roxin Strafrecht AT II, 2003, § 25 Rn. 45 bezeichnet die mittelbare Täterschaft daher auch als "Willensherrschaft". Eine solche Willensherrschaft kann sich u.a. daraus ergeben, dass der Hintermann den Ausführenden täuscht und dadurch "zum unwissentlichen Vollstrecker seines Deliktsplans macht" (Willensherrschaft kraft Irrtums) (Roxin Strafrecht AT II, § 25 Rn. 46). Fraglich ist, wo in diesen Fällen der Bereich abzustecken ist, innerhalb dessen von einer Unterlegenheit des Tatmittlers ausgegangen und Steuerung durch den mittelbaren Täter angenommen werden kann.

Beispiel: A bittet mit Zueignungsabsicht den nichtsahnenden B, ihm vom Grundstück des C eine angeblich ihm (A) gehörende Sache zu holen. In Wahrheit gehört die Sache dem C.

Problembehandlung

(1) Eine mittelbare Täterschaft des Hintermanns ist unstreitig dann anzunehmen, wenn dieser den Tatmittler in einen vorsatzausschließenden Tatumstandsirrtum versetzt hat (Rengier Strafrecht AT, 8. Aufl. 2016, § 43 Rn. 12).

(2) Weiterhin kann eine mittelbare Täterschaft auch in den Fällen angenommen werden, in denen der Hintermann den Irrtum des Ausführenden nicht hervorgerufen hat, sondern nur ausnutzt, sodass bei vorsätzlichem Handeln des Mittlers nur eine Beihilfe vorläge (Roxin Strafrecht AT II, § 25 Rn. 64). Beispiel: A will auf eine vermeintliche Vogelscheuche schießen. C leiht ihm zu diesem Zweck eine Pistole, obwohl er erkennt, dass es sich in Wirklichkeit um den Bauern B handelt, der gerade den Acker bestellt. Erschießt A den B, hat sich C wegen Totschlags in mittelbarer Täterschaft strafbar gemacht.

(3) Schließlich soll eine beherrschende Stellung des mittelbaren Täters über den Ausführenden auch dann angenommen werden, wenn Letzterer bewusst fahrlässig handelt (Roxin Strafrecht AT II, § 25 Rn. 65). Zwar verursacht der Tatmittler bei bewusster Fahrlässigkeit nicht "blind" den Erfolg, sondern erkennt immerhin die Möglichkeit des Erfolgseintritts. Jedoch wird der Hintermann regelmäßig die Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit des Erfolgseintritts kennen, den der Ausführende gerade nur für möglich hält. Bereits dieses Mehrwissen gestattet ihm die Beherrschung des Erfolges i.S.d. mittelbaren Täterschaft.

Im oben genannten Beispiel bleibt B straffrei, da er davon ausgeht, die Sache gehöre dem A. B befindet sich also in einem den Vorsatz ausschließenden Tatumstandsirrtum über die Fremdheit der für A entwendeten Sache (§ 16 I). A hat sich hingegen diesen Irrtum des B zunutze gemacht und ist wegen Diebstahls in mittelbarer Täterschaft gem. §§ 242, 25 I Alt. 2 strafbar.

10.04.2017