Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Kumulative Kausalität

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Kausalität; kumulative; Vergiftungsfälle; Conditio-sine-qua-non-Formel

Problemaufriss

Als kumulative Kausalität bezeichnet man diejenigen Konstellationen, in denen mehrere unabhängig voneinander gesetzte Bedingungen, die den Erfolg jeweils für sich betrachtet nicht erzielen könnten, diesen erst durch ihr Zusammenwirken herbeiführen (BGHSt 37, 106, 131; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 47. Aufl. 2017, Rn. 223; Schönke/Schröder/Eisele StGB, 29. Aufl. 2014, Vor §§ 13 ff. Rn. 83).

Beispiel: A und B geben unabhängig voneinander eine Dosis Gift in das Getränk des C. Die verabreichten Giftgaben wirken jedoch nicht für sich allein, sondern nur zusammen mit der anderen tödlich.

Problembehandlung

Im Rahmen der Kausalität stellen diese Fälle kein größeres Problem dar. Jeder Beitrag ist kausal für den eingetretenen Erfolg, da schon nach der allgemeinen Conditio-sine-qua-non-Formel die einzelnen Handlungen jeweils nicht hinweggedacht werden können, ohne dass der konkrete Erfolg entfiele (Kühl Strafrecht AT, 8. Aufl. 2017, § 4 Rn. 21; Studienkommentar StGB/Joecks/Jäger, 12. Aufl. 2018, Vor § 13 Rn. 33).

Notabene: Von der kumulativen Kausalität abzugrenzen sind die Fälle der alternativen Kausalität.

12.03.2018