Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

Risikoverringerung

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Risikoverringerung; Abmilderung; objektive Zurechnung

Problemaufriss

Im Rahmen der objektiven Zurechnung ist zu prüfen, ob eine rechtlich relevante Gefahr geschaffen worden ist und ob sich genau diese Gefahr im tatbestandsmäßigen Erfolg realisiert hat. Fraglich ist, ob eine Gefahr geschaffen wurde, wenn jemand durch sein Eingreifen einen bereits drohenden schweren Erfolg abschwächt.

Beispiel: A holt zu einem Schlag auf den Kopf des C aus. Durch das Eingreifen des B wird der Schlag auf die Schulter des C abgelenkt.

Problembehandlung

Der Anwendungsbereich der Risikoverringerung umfasst zwei Fallkonstellationen. Zum einen geht es um die Abmilderung von Verletzungen/Schäden, zum anderen geht es um Fälle des zeitlichen Hinausschiebens eines Erfolges (z.B. wenn der Arzt das Leben eines Patienten nur um wenige Tage verlängern kann).

Kausalität ist in den Fällen der Risikoverringerung immer zu bejahen. Problematisch erscheint jedoch die Zurechnung. Es würde dem allgemeinen Interesse der strafrechtlichen Verhaltensnormen an der Erhaltung der geschützten Rechtsgüter widersprechen, wenn diese Normen zur Sanktionierung von Handlungen eingesetzt würden, die zumindest teilweise oder zweitweise zur Erhaltung von bereits bedrohten Rechtsgütern führen (Kühl Strafrecht AT, 8. Aufl. 2017, § 4 Rn. 54). Wird also eine bereits in Gang gesetzte Ursachenreihe gebremst, so scheitert die Erfolgszurechnung (Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 285).

Wird jedoch eine ganz neue, eigenständige Ursachenreihe begründet, so ist das Ergebnis dem Täter zuzurechnen. Es kommt dann nur noch eine Rechtfertigung wegen Notstandshilfe gem. § 34 in Betracht.

12.04.2017