**Tags**
Versuch; Erfolgsqualifikation; schwere Folge; erfolgsqualifizierend; Grunddelikt; § 11 II; § 18; § 22; § 23; folgenschwerer Versuch; Strafbarkeit; strafbegründend
**Problemaufriss**
Unter dem Überbegriff „erfolgsqualifizierte Delikte“ sind der Versuch der Erfolgsqualifikation sowie der erfolgsqualifizierte Versuch zusammengefasst. Während beim Versuch der Erfolgsqualifikation der Täter die qualifizierende Folge in seinen Vorsatz mit aufgenommen hat, diese jedoch ausbleibt, tritt beim erfolgsqualifizierten Versuch durch den Versuch des Grunddelikts die schwere Folge fahrlässig bzw. leichtfertig ein. In beiden Konstellationen ist es fraglich, ob eine Strafbarkeit bei lediglich versuchtem Grunddelikt nur besteht, wenn auch der Versuch des Grunddelikts *an sich* strafbar ist.
**Problembehandlung**
**I. Der erfolgsqualifizierte Versuch**
Beim erfolgsqualifizierten Versuch wird **überwiegend** die Strafbarkeit des Versuchs des Grunddelikts an sich vorausgesetzt. Dies wird insbesondere damit begründet, dass die Erfolgsqualifikation lediglich straf<em>schärfend</em> und nicht strafbegründend wirken darf (Schönke/Schröder/<em>Sternberg-Lieben/Schuster</em>, 30. Aufl. 2019, § 18 Rn. 9; NK/<em>Paeffgen</em>, 6. Aufl. 2023, § 18 Rn. 112).
Damit ist bspw. der fahrlässig herbeigeführte Tod bei einer versuchten Aussetzung nicht nach <strong>[§§ 221 III](https://dejure.org/gesetze/StGB/221.html)</strong>, <strong>[22](https://dejure.org/gesetze/StGB/22.html)</strong>, **[23 I](https://dejure.org/gesetze/StGB/23.html)** zu bestrafen, da der Versuch der einfachen Aussetzung nach **[§ 221 I](https://dejure.org/gesetze/StGB/221.html)** nicht unter Strafe steht (<em>Roxin</em> Strafrecht AT II, 2003, § 29 Rn. 323).
**II. Der Versuch der Erfolgsqualifikation**
Ob beim Versuch der Erfolgsqualifikation auch bereits der Versuch des Grunddelikts an sich strafbar sein muss, ist umstritten.
**Ansicht 1:** Nach einer Ansicht muss auch beim Versuch der Erfolgsqualifikation der Versuch des Grunddelikts an sich **strafbar** sein (<em>Heinrich</em> Strafrecht AT, 7. Aufl. 2229, Rn. 691). Hierfür wird angeführt, dass das Anstreben der Folge allein nicht strafbegründend sein könne. Stattdessen mache § 18 die strafschärfende Wirkung der besonderen Folge gerade von einem strafbaren Grundverhalten abhängig (<em>Wessels/Beulke/Satzger</em> Strafrecht AT, 54. Aufl. 2024, Rn. 1002).
**Kritik:** Diese Ansicht verkennt, dass beim Versuch der Erfolgsqualifikation auch der (Zusatz-)Erfolg vom Vorsatz umfasst ist und somit ein aus zwei Vorsatz-Teilen bestehendes mehrstufiges Delikt gegeben ist, welches gerade nicht mehr den Besonderheiten ihres Spezial-Typus, sondern den allgemeinen Regeln folgt (NK/<em>Paeffgen</em> § 18 Rn. 113).
**Ansicht 2:** Nach einer anderen Ansicht muss beim Versuch der Erfolgsqualifikation der Versuch des Grunddelikts **nicht an sich strafbar** sein, sofern auch Vorsatz bzgl. der Erfolgsqualifikation vorliegt (sog. Vorsatz-Vorsatz-Kombination) (Lackner/Kühl/<em>Heger</em>, 30. Aufl. 2023, § 18 Rn. 10; LK/<em>Murmann</em>, 13. Aufl. 2021, Vor §§ 22 ff, Rn. 125). **[§ 18](https://dejure.org/gesetze/StGB/18.html)** sei so zu lesen, dass allein eine *fahrlässige* Herbeiführung der schweren Folge nicht strafbegründend, sondern lediglich strafschärfend sein kann. Jedoch treffe er gerade keine Aussage über eine *vorsätzlich* herbeigeführte schwere Folge (MüKo/<em>Hardtung</em>, 5. Aufl. 2024, § 18 Rn. 708).
**Kritik:** Allein die Summierung von Handlungs-Unwerten kann nichts an der gesetzgeberischen Entscheidung ändern, den Versuch des Grundtatbestands straflos zu lassen (NK/<em>Paeffgen</em> § 18 Rn. 113).