Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg

hinterlistiger Überfall

Tags

hinterlistiger Überfall; Überfall; Hinterlist; planmäßig; Verdecken; Verbergen; wahre Absicht

Problemaufriss

Wann hat der eine Körperverletzung begehende Täter das Qualifikationsmerkmal des "hinterlistigen Überfalls" i.S.d. § 224 I Nr. 3 verwirklicht?

Problembehandlung

Unter einem Überfall versteht man jeden plötzlichen und unerwarteten Angriff auf einen Ahnunglosen (RGSt 65, 65, 66; Münchener Kommentar StGB/Hardtung, 3. Aufl. 2017, § 224 Rn. 33; Fischer StGB, 65. Aufl. 2018, § 224 Rn. 22).

Hinterlistig ist der Überfall, wenn der Täter seine wahre Absicht planmäßig berechnend verdeckt, um gerade dadurch dem Angegriffenen die Abwehr zu erschweren (Wessels/Hettinger Strafrecht BT I, 40. Aufl. 2016, Rn. 279; MK/Hardtung, § 224 Rn. 33).

Hinterlist erfordert keinen Angriff aus dem Hinterhalt und ist auch nicht beim bloßen Ausnutzen eines Überraschungsmoments gegeben, sondern erfordert, dass der Täter zur Verschleierung des Angriffs weitere Maßnahmen getroffen hat.

Für die Qualifikation des § 224 I Nr. 3 ist in subjektiver Hinsicht stets die Vorsatzform der Absicht bzgl. der Körperverletzung nötig, da nur dann das Merkmal der Hinterlist erfüllt sein kann (vgl. MK/Hardtung, § 224 Rn. 53). Nicht hingegen ist nötig, dass durch die Körperverletzung eine konkrete Gefahr einer erheblichen Verletzung entstand. Sie muss nicht einmal konkret geeignet zur Zufügung erheblicher Verletzungen gewesen sein.