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Teilrücktritt

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<h3><strong>Tags</strong></h3> <p>Versuch; Waffe; Reue; Abbruch; Vollendung; Grunddelikt; Regelbeispiel; Qualifikation; R&uuml;cktritt</p> <h3><strong>Problemaufriss</strong></h3> <p>Nach&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__24.html">&sect;&nbsp;24</a></strong>&nbsp;kann der T&auml;ter vor Vollendung der Tat unter bestimmten Umst&auml;nden Straffreiheit erlangen, wenn er von der weiteren Ausf&uuml;hrung der Tat absieht. Fraglich ist, ob der T&auml;ter auch nur von der Verwirklichung der Qualifikation zur&uuml;cktreten kann. So wird diskutiert, ob der T&auml;ter lediglich aus dem Grunddelikt zu bestrafen ist, wenn er davon Abstand nimmt, ein bereits verwirklichtes Tatbestandsmerkmal der Qualifikation weiter zu verwirklichen und sich stattdessen auf das Grunddelikt beschr&auml;nkt. Streitig ist dies insbesondere im Rahmen der Pr&uuml;fung der &sect;&sect;&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__244.html">244</a></strong>,&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__250.html">250</a></strong>.<br>&nbsp;<br><strong>Beispiel:</strong>&nbsp;A erpresst B und hat dazu bei den Telefonaten der beiden sowie der Vorbereitung der Geld&uuml;bergabe einen Revolver bei sich. Kurz vor der (erfolgreichen) &Uuml;bergabe wirft A die Waffe jedoch weg. Strafbarkeit des A gem. &sect;&sect;&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__253.html">253</a></strong>,&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__255.html">255</a></strong>,&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__250.html">250&nbsp;I Nr.&nbsp;1&nbsp;a</a></strong>?</p> <h3><strong>Problembehandlung</strong></h3> <p><strong>Ansicht 1:</strong>&nbsp;Nach Auffassung der Rechtsprechung ist ein Teilr&uuml;cktritt&nbsp;<strong>nicht m&ouml;glich</strong>. Der T&auml;ter m&uuml;sse die Tat vielmehr im Ganzen aufgeben (BGH NStZ 1984, 216;&nbsp;<em>Mitsch,</em>&nbsp;JA 2014, 272 f.).<br>&nbsp;<br><strong>Beispiel:</strong>&nbsp;A sei weiterhin nach &sect;&sect;&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__253.html">253</a></strong>,&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__255.html">255</a></strong>,&nbsp;<strong><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__250.html">250&nbsp;I Nr.&nbsp;1&nbsp;a&nbsp;</a></strong>strafbar.<br>Kritik:<strong>&nbsp;</strong>Solange es bei abstrakten Gefahren geblieben ist, entspricht es dem Gedanken der t&auml;tigen Reue und dem Interesse des gesch&uuml;tzten Rechtsguts, dass freiwilliges T&auml;terverhalten zur Straffreiheit f&uuml;hren muss (<em>Rengier</em>&nbsp;Strafrecht BT I, 26.&nbsp;Aufl. 2024, &sect;&nbsp;4 Rn.&nbsp;79;&nbsp;<em>Wessels/Beulke/Satzger</em>&nbsp;Strafrecht AT, 54.&nbsp;Aufl. 2024, Rn. 1056).<strong><br>&nbsp;<br>Ansicht 2:&nbsp;</strong>Nach&nbsp;herrschender Auffassung<strong>&nbsp;</strong>in der&nbsp;Literatur&nbsp;ist ein Teilr&uuml;cktritt m&ouml;glich. Eine Bestrafung entfiele, wenn der T&auml;ter die qualifizierende Handlungsweise vor Vollendung des Grunddelikts aufgebe, da er freiwillig auf die gef&auml;hrlichere Ausf&uuml;hrung verzichte (Sch&ouml;nke/Schr&ouml;der/<em>Eser/Bosch</em>&nbsp;StGB, 30.&nbsp;Aufl. 2019, &sect;&nbsp;24 Rn.&nbsp;113;&nbsp;<em>Rengier</em>&nbsp;Strafrecht AT, 16.&nbsp;Aufl. 2024, &sect;&nbsp;37 Rn. 162;&nbsp;<em>Wessels/Beulke/Satzger</em>&nbsp;Strafrecht AT, Rn. 1056).<strong><br>&nbsp;<br>Beispiel:</strong>&nbsp;Durch das Wegwerfen des Revolvers habe A von &sect; 250 I Nr. 1 a zur&uuml;cktreten k&ouml;nnen.<br><strong>&nbsp;<br>Kritik</strong>:<strong>&nbsp;</strong>Dagegen ist einzuwenden, dass &sect;&sect; 244 I Nr. 1, 250 I Nr. 1 a StGB sich nicht auf den Einsatz der Waffe beziehen, sondern lediglich auf das Beisichf&uuml;hren derselben zu irgendeinem Zeitpunkt. Bereits die abstrakte Gef&auml;hrdung des Opfers begr&uuml;ndet den erh&ouml;hten Strafrahmen (BGHSt 13, 259;&nbsp;<em>Blaue,</em>&nbsp;ZJS 2015, 584&thinsp;). So bleibt der R&uuml;cktritt von der Qualifikation nur in den F&auml;llen m&ouml;glich, in denen das blo&szlig;e Beisichf&uuml;hren nicht ausreicht, sondern es auf die konkrete Verwendung ankommt, wie beispielsweise bei&nbsp;<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__223.html">&sect;&sect;&nbsp;223</a>,&nbsp;<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__224.html">224 I Nr. 2</a>** (Studienkommentar StGB/<em>Joecks/J&auml;ger</em>, 13. Aufl. 2021, &sect; 24 Rn. 63).</p>

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